Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
226
Einzelbild herunterladen
 

226

In Ostafrika ist eine seltene Einführung, wahrscheinlich der modernen Indier, der Name natu ist wohl eine Verdrehung aus mathi.

19. Vicia Faba L.

Die Saubohne oder Puffbohne ist eine der ältesten Kulturpflanzen, die man in wildem Zustand bisher nicht fand, die aber möglicherweise wie ver­schiedene andere Pflanzen auch aus Vorderasien stammte. Die Griechen kannten sie als kuamos, die Römer als faba, im alten Testament wird pol erwähnt, was ziemlich sicher diese Bohne war, die heute bei den Arabern noch ful heißt. Im südlichen Europa war die Pferdebohne jedenfalls prähistorisch, nach China ge­langte sie erst ca. im Jahre IOO v. Chr., nach Japan noch später und ebenfalls spät nach Indien, wo sie jetzt als bakla gebaut wird, also unter demselben Namen wie Ph. vulgaris. In Ägypten ist sie jetzt die Hauptnahrung für das Volk und spielt auch in Abessinien eine wichtige Rolle. In Ägypten heißt sie ful, in Yemen gillc, in Abessinien auf Amhari bakcla, auf Tigrinja atcr-bähri, atcr- bähari, bacdongua. Atcr ist in Abessinien und Südarabien der Name für Erbse, bahari wird vielleicht andeuten, daß diese Sorte vom Meere aus ins Land kam, also eine fremde Einführung war. Allerdings soll als bächer bei den Fellachen im Fayum und Nildelta die der Saubohne ziemlich nahe verwandte Vicia nar- bonensis bezeichnet werden, und deshalb wird von einigen Botanikern ange­nommen, das bahar (Amhari bakcla r) vielleicht eine altsemitische Bezeichnung für Vicia Faba sei und demnach mit dem Worte bachr, bahari für Meer nichts zu tun habe.

In Ostafrika wird diese in Ägypten, Südarabien, Indien und Abessinien viel gebaute Pflanze nicht kultiviert. Die hier in Amani gemachten Versuche ergaben stets ein vorzügliches Wachstum derselben, sie setzten aber später nie Samen an, was ja auch in Amerika stellenweis beobachtet wurde. Wahrscheinlich fehlt das zum Befruchten der Blüte nötige Insekt hier. In Deutschland soll man durch Ausbrechen der Spitze manchmal die fehlende Samenbildung erzwingen können.

20. Vigna nilotica Hook.

soll in Abessinien und im oberen Nilgebiet als Hülsenfrucht gebaut werden, bei uns aber meines Wissens nicht. Schweinfurth führt die Art in seiner Liste abessinischer Pflanzennamen nicht auf.

21. Vigna sinensis Endl. (Vigna Catjang).

Die Vigna-Bohne, die Kunde unserer Neger, ist wohl die hier am meisten kultivierte Bohnen-Art. Sie wird jetzt in der ganzen Tropenzone gebaut, das Altertum hat sie wohl nicht gekannt, aus dem alten Ägypten scheint sie wenigstens nicht erwähnt zu sein, während man sie dort heute anbaut.

Es ist noch nicht absolut sicher gestellt, wo die Urheimat dieser Bohne war. Schweinfurth hält sie für einheimisch in Abessinien und neigt dazu, ihre