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16 . Pisum sativum L.
Die Gartenerbse, deren wilde Form man nicht kennt, wird wahrscheinlich ebenso wie Linse und Kichererbse ihre Heimat in Vorderasien haben und mit den Ariern oder vor ihnen ihren Einzug in Südeuropa gehalten haben: Griechisch pisos, pison, albanesisch pczcllc, arabisch in Ägypten basclla, in Syrien bisilla, lateinisch pisum, portugiesisch cruilha. In den Pfahlbauten der Bronzezeit ist sie gefunden. Den alten Ägytern und Juden scheint sie unbekannt gewesen zu sein. In Indien muß die Kultur ebenfalls schon sehr alt sein, ihr Sanscritname soll harcnso sein. Im heutigen Indien wird sie als mattar, kuda, kalon, vatana, patana gebaut. Von Südasien aus ist sie offenbar nach Abessinien gebracht, wohl von Südarabien aus, wo sie hummus heißt wie die Kichererbse. In Marokko sagt man djilbana, in Algier djcljclana, hommus. ln der Amhari-Sprache Abessiniens wird sie wie Cicer shimbcra oder meistens ater, aini-atcr, genannt. Leider ist mir der Galla- Name, in deren Gebiet sie auch wohl vorkommt, unbekannt, denn durch Vermittlung der Galla ist vielleicht ihr merkwürdiges isoliertes Vorkommen in Zentralafrika zu erklären, ich meine im Zwischenseengebiet. Sie wird dort in Nkole, Toru, Karagwe, Ost-Mpororo, Ussuvvi, Ruanda, Urundi bis hinunter nach Usumbura gebaut. Im Norden nennt man sie njegere, in Ruanda njcgele, meist mash&za, in Usumbura uhezeze , bei den Wakikuyu segere, in Uha malio gania, bei Bismarckburg mtumpe. Dann ist sie isoliert in Ukinga und Matengo des Bezirks Langenburg gebaut, wo man sie sadatve, sawaiva, viporo nennt, in Uhehe vivolo, im Ukingage- birge bei Bulongwa maboro (Goetze), bei Bismarckburg mtumpe und endlich anscheinend noch in Ungoni (Bezirk Songea) unter dem Namen ndosi. In Westafrika wird sie in Angola gebaut. Wie diese isolierten Vorkommen zu erklären sind, ist sehr schwer zu sagen. Man könnte meinen, daß sie mit der Wanderung der Watussi-Wa- huma von den Galla-Ländern aus in das Zwischenseengebiet gelangt ist, aber dies waren reine Hirtenvölker, die wohl schwerlich Saaten mitbrachten. Jedoch selbst, wenn man dies annimmt, wie soll man ihr Vorkommen im Norden und Osten des Niassa an zwei ganz isolierten Stellen sowie am Tanganika und unter ganz verschiedenem Namen erklären, während das Zwischenland sie anscheinend nicht hat? Das einzig denkbare ist, eine alte Berührung dieser Lokalitäten mit fernen Gegenden anzunehmen, etwa durch portugiesische Händler (von Zambezi oder aus Angola?), die an den Niassa und Tanganika kamen, oder daran, daß die Sulu-Stämme der Wangoni die Erbse mit bei ihrem Vordringen aus dem Süden brachten. Aber von wo? Kurz, hier ist noch ein Rätsel zu lösen. Unzweifelhaft handelt es sich nach dem in Amani befindlichen Material im Zwischenseengebiet, in Songea, Uhehe usw. um die Gartenerbse, und aus den Beschreibungen ist anzunehmen, daß dies auch in Kikuyu und Langenburg der Fall ist, ebenso wie in Abessinien und Angola.
Sicher ist auch, daß es sich im Zwischenseengebiet nicht um eine Neueinführung durch die Araber handelt, sondern um eine alte Kultur. Nach Uhehe,