Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
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Natal, Bukoba, am Niger-Benue und am Kongo. Die Hülsen und jungen Samen werden in Indien gegessen, das Kraut und die Körner als gutes Viehfutter ver­wandt. Diese im Sanscrit ebenfalls simbi heißende Art wird heute in Indien kulthi, kulti, gahat genannt. Sie scheint überall in den Tropen der alten Welt verbreitet zu sein, wahrscheinlich sogar wild. Zur Verwendung als Viehfutter wäre sie hier sehr zu empfehlen.

6. Dolichos Lablab L.

Die Helmbohne ist dadurch von den anderen hier kultivierten Bohnen aus­gezeichnet, daß ihre ziemlich flachen, ovalen Bohnen einen großen, immer weißen Nabel haben, der etwa in einem Drittel den Umfang der Bohne wie die Raupe eines bayrischen Helmes umgibt. Die Hülse selbst ist ziemlich kurz, 47 cm lang und 23 cm breit, enthält nur 26 Samen, und ist an ihrer Spitze in einen umgebogenen Ausläufer verlängert. Die Samen sind verschieden gefärbt, weiß, rehbraun oder rotbraun, oft auch fast pechschwarz, aber stets mit dem großen weißen Nabel.

Taubert nimmt in Engler und Prantls »Pflanzen-Familien« Afrika als ihre Heimat, in seiner Bearbeitung der Hülsenfrüchte in der »Pflanzenwelt Ost­afrikas« Indien an, und mir scheint, daß letzteres die größere Wahrscheinlichkeit für sich hat. Sie soll in Bengalen wirklich wild sein, für Afrika konnte ich keine sichere botanische Angabe über wildes Vorkommen finden. Nach einer Mitteilung von Dr. Kan dt soll die Pflanze in Ruanda nicht angebaut, aber »wild oder halbwild« Vorkommen, in der Nähe der Hütten oder am Rand von Bananen­hainen. Man sät sie dort nicht aus, begünstigt aber ihr Wachstum durch Entfernen des Unkrautes. Die Samen sollen rehbraun bis rotbraun mit weißem Nabel sein. Es scheint sich demnach um dieselbe Art zu handeln, aber ihr Vorkommen läßt vermuten, daß es sich nicht um ein spontanes Vorkommen, sondern um Ver­wilderung handelt. In Indien wird sie im großen angebaut und ist seit sehr alter Zeit bekannt, denn man hat den Sanscritnamen simbi, shimbi, dafür, der sich noch heute als sim, shim, sembi findet, neben dem noch val, burbuti u. a. gebraucht werden. In alter Zeit ist sie dagegen in China, Westasien und Ägypten nicht bekannt gewesen. Heute baut man sie fast im ganzen Tropengebiet.

In Afrika wird sie in Ober- und Unter-Guinea, Nubien, Abessinien, am Zambezi und in Ägypten gebaut, in unserm Gebiet bis zur Westgrenze, aber überall nicht sehr viel und immer meines Wissens strichweise. Hier in der Gegend von Tanga ist sie scheinbar wenig, in Usambara mehr bekannt.

Der Küstenname ist fiwi, ebenso in Udoe, in Usagara mafiwi, in Ugogo und Uhehe fuiwi, in Unyamwezi ifiwi, mkassi, maguka, bei den Djagga am Kilimandjaro mpu, in Ugogo die weiße Sorte mfiwi mpu, bei den Wangoni gungnta, bei den Wahiyao nguya (vielleicht mit der Bedeutung Frucht aus Unguya, d. h. Zanzibar), in Usambara majembo, majombo, in Unguru ngwarei, bei den Massai bombo, iliwombo, bei den Wamakuwa ipwiri, in Ujiji, Uha vigori, visoya,