Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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sondern ganz im kleinsten Hackbetrieb; man teilt das Feld in winzige Quadrate, die behackt und täglich begossen werden. Leider ist mir nicht bekannt, welche Varietät dort gebaut wird, doch ist anzunehmen, daß es eine aus Südarabien eingeführte ist.

Auf unseren Gouvernementsstationen und auf den Missionen wird in ähn­licher Weise für den Bedarf der Europäer etwas Weizen gepflanzt. Aber wo der Transport nicht zu weit und teuer ist, greift man überall zu dem meist aus Ungarn kommenden Mehl. An eine große Weizenproduktion wie in Indien ist beim Mangel der Pflugkultur bei uns auch gar nicht zu denken, es ist auch gar nicht wünschenswert, um der heimischen Landwirtschaft keine Konkurrenz zu machen.

Die Ansiedler bauen allerdings für sich und den Bedarf der Nachbarschaft etwas mehr Weizen und greifen als Europäer auch zum Pfluge. Besonders ist darin die frühere Kulturstation Kwan in West-Usambara vorgegangen, ebenso die Trappisten-Mission in Gare dort. Die Ansiedler in Usambara, in Uhehe und am Kilimandjaro machen dasselbe, aber über den Bedarf der Nachbarschaft ist niemand hinausgekommen, und der heimische Agrarier braucht von hier aus keine Konkurrenz zu fürchten.

20. Zea Mays L.

(Siehe Verbreitungskarte.)

Der Mais ist für unsere Untersuchung äußerst interessant, da er unzweifel­haft amerikanischen Ursprungs ist und sicher erst nach der Entdeckung von Amerika in die Länder der alten Welt gelangte. Alle Versuche, dem Mais ein früheres Dasein in unseren Regionen zuzuschreiben, sind gescheitert. Eine Zeit­lang legte man großen Wert in dieser Beziehung auf die »Charta Incisa«, ein Dokument, wonach im 13. Jahrhundert ein Säckchen mit Maiskörnern in die Stadt Incisa aus Anatolien gebracht sein sollte. Aber dieses Dokument hat sich bei genauer Untersuchung als eine Fälschung erwiesen. Kolumbus traf den Mais bei seiner Ankunft in Hispaniola vor, der damals überall in Amerika gebaut wurde, wo überhaupt man Ackerbau trieb. Später fand man dann auch Mais­körner in den alten vorcolumbianischen Gräbern von Ancon in Peru und in Arizona.

Die dem Mais nächst verwandten Pflanzengattungen Euchlaena (»Teosinte«) und Tripsanum sind alle in Amerika heimisch, und in Mexico fand man wild­wachsend Zea canina Watson, die nur wenig von dem Kulturmais abweicht. Wo speziell die Gegend war, in der der Mais zuerst in Amerika in Kultur ge­nommen ist, wird sich schwerlich jemals feststellen lassen, vieles spricht für Mexiko. Die Varietät tunicata Larr. wird der Urform am nächsten stehen, bei ihr sind die Körner am Kolben nicht nackt, sondern von Klappen umhüllt. Es wäre sehr interessant, wenn bei uns diese Form als Atavismus einmal ge­funden würde.