Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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einmal ein größeres Quantum Reis gebaut wird, und daß dies auch den Bedarf der Küste decken kann, wenn die Bahnfrachten billig genug sind, damit das Produkt von Usukuma mit dem aus Indien konkurrieren kann. Ein richtiges Reis­bauer-Land kann aber Usukuma bei der dünnen Bevölkerung, dem Mangel an ständigen Flüssen und bei der Unkenntnis der Pflugkultur nicht werden. Man muß in Indien, Ceylon und Java die Reiskultur gesehen haben, um zu be­greifen, daß darin Jahrtausende von Kultur stecken.

Eine auffallende Wirtschaftserscheinung ist es, daß an der Küste trotz der großen Nachfrage lange nicht genügend Reis angebaut wird, die Absatzmöglich­keit ist da, der Anbau bleibt aus ein Zeichen für die Indolenz der Neger, wenn sie sich auf andere Weise ihre geringen Bedürfnisse befriedigen können.

9. Panicum colonum L.

Eine Art von Hirse aus der artenreichen Gattung Panicum, über deren Anbau in Ost-Afrika nur Busse berichtet hat. Sie wird am Ruvuma unter dem Namen chmdumba kultiviert. Ein Exemplar mit kräftiger Rispe von diesem Standort findet sich im Herbar von Amani. Die Art ist sonst wildlebend vom Mittelmeer, Arabien, den Comoren, Madagascar, Ostindien, Amerika und in Afrika aus dem Somali-Land, Nubien und Zanzibar bekannt, aber immer nur als Unkraut. In Indien, wo sie sawauk, shama, sama, sawan, sawak heißt, wird ihr Korn von armen Leuten als Nahrung eingesammelt und das Gras als Viehfutter verwandt. Es wäre sehr interessant, zu wissen, ob diese Art in Ost- Afrika als echte Kulturpflanze noch an anderen Stellen sich befindet und ob sie dort am Ruvuma ständig gebaut wird.

10. Panicum Crus Galli L.

eine andere Art dieser Gattung kommt fast überall in der W 7 elt vor, die Samen werden in Indien von Armen gegessen und das Gras zu Futterzwecken benutzt. In Ost-Afrika, wo die Pflanze in Abessinien, Zanzibar, Mossambik, Usagara, Usambara, auf dem Massaihochland bei Bukoba, am Zambezi, in Natal, Kamerun und am oberen Kongo gefunden ist, wird sie meines Wissens nicht verwandt.

11. Panicum frumentaceum Roxb.

das in Indien stellenweis unter den Namen saiva, shama, bei Bombay als bawto, in Persien als bajri als ein äußerst rasch reifendes Getreide und Nahrung des armen Mannes gebaut wird, kommt in Ost-Afrika meines Wissens nicht vor.

12. Panicum jumentorum Pers.

(altissimwn Jacq.) ist das bekannte Guinea-Gras, das im tropischen Afrika hei­misch ist und überall in den Tropen, sogar in Amerika, zu Futterzwecken kulti­viert wird. Seit 175° ist es z - P- in Indien unter dem Namen gini, gcnco (von Guinea) angebaut. Wir hatten es auch hier in Amani in größerer Ausdehnung

Stuhlmann, Beitrage zur Kulturgeschichte von Ostafrika. j-3