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Einstweilen möchte ich aber nicht annehmen, daß dies Getreide nur in Afrika seine Urheimat hat und von dort vor mehr denn 2000 Jahren nach Indien und wohl viel später bis nach Japan einerseits und in die Cyrenaika und Unterägypten andererseits gelangte. Der Völker- und Kulturstrom geht von Ost nach West, nicht umgekehrt. Die ganz außerordentliche Verbreitung und die variablen Namen in Afrika lassen aber auch an sich nicht ohne weiteres den Schluß zu, daß die Elen sine aus Asien nach Afrika eingeführt ist. Wenn man aber bedenkt, daß ganz gleiche Sprachverwirrungen auch bei nachweislich erst seit kurzem eingeführten Kulturpflanzen (Mais, Manihot) vorliegen, so ist es sehr wohl möglich und sehr wahrscheinlich, daß eine solche Einführung von Asien aus doch stattgefunden hat, wenn in diesem Falle auch wohl schon in der Urzeit, als die Bantu von ihrer Urheimat von Nordost nach Südwest vordrangen. Man müßte die Heimat dann in Süd-Arabien oder am persischen Golf suchen. Bei der weiten Verbreitung der wilden Elcusinc indica und in Anbetracht der Tatsache, daß Siid-Asien und Ost-Afrika in ihrer Pflanzenwelt sehr viele enge Berührungspunkte haben, ist es auch vielleicht denkbar, daß die wilde Grasart, deren Samen man noch heute einsammelt, in verschiedenen Gegenden in Kultur genommen ist. Bis wir nicht durch die genaue Kenntnis der Varietäten und weitere Sprachforschungen genaueres wissen, möchte ich bis auf weiteres auch diese Möglichkeit zulassen und mich bei diesem Grase über die Unwahrscheinlichkeit hinwegsetzen, daß ganz verschiedene Völker die Kultur einer Pflanze unabhängig voneinander erfunden haben.
Ich habe das Gefühl, daß in früherer Zeit die Elcusinc in Ost-Afrika mehr verbreitet war als jetzt —■ an der Küste kennt man sie meist nur vom Hörensagen — und daß sie in vielen Gegenden und besonders an der Küste schmackhafteren und ergiebigeren Getreidearten (Mais, Sorghum) weichen mußte, wie dies auch wahrscheinlich mit der Kolbenhirse und den Jams der Fall war.
5. Hordeum distichon L.
Die zweizeilige Gerste sowie die nahe verwandten Arten H. tctrastichon und H. hexastichon L.. die vier- und sechszeilige Gerste, fehlen in Ost-Afrika merkwürdiger Weise völlig, wenn man von ganz neuer Einführung durch das Gouvernement auf der Domäne Kwai usw. absieht. Die Stammform der zweizeiligen Gerste mit zerbrechlicher Ähre, H. spontancum , ist wild in Vorderasien in den Ländern zwischen dem Kaspischen und dem Roten Meer gefunden. Die zweizeilige Gerste wurde bei den Pfahlbauern der Schweiz, die sechszeilige ebendort und in den ägyptischen Monumenten gefunden. In China und Indien ist die Kultur jedenfalls uralt. In letzterem Lande wird jetzt fast ausschließlich die sechszeilige Sorte gebaut. Die Gerste heißt im Sanscrit yava, yavaka, situshuka, in Indien java, jmua, suj, jab, jau. jowa, yurk, soa usw-, in Afganistan nennt man sie jao, auf persisch ebenso, auf türkisch arpa und auf arabisch shaatr, shatr. Daraus ist dann das Swahili-Wort shayiri geworden. Die Gerste kommt nämlich