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Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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4. Eleusine coracana Gärtn.

(Vergl. Verbreitungskarte).

Das Eleusine- oder Ulesi-Korn wird den meisten an der Küste von Deutsch- Ost-Afrika lebenden Europäern unbekannt sein. Es ist eine kleine angebaute Grasart, an deren Halmspitzen eine Rispe von 38 Spindeln steht, die meist etwas nach innen gekrümmt sind und an ihrer Außen- bezw. Unterseite eine Menge winziger Ährchen tragen. Die Pflanze wird, wo ich sie gesehen habe, 3090 cm hoch. Ihr Korn ist klein, rundlich, etwas dreikantig und mit bogig aufsteigenden, oft ganz versteckten Kämmen versehen. Körnicke unterscheidet 4 Varietäten: Eine mit geraden Scheinähren und drei mit nach innen gekrümmten, die schwarze, rotbraune und weißgelbe Samen haben. Die von mir in Afrika beobachtete Sorte hatte stets etwas gekrümmte Scheinähren und schwarzbraune Samen. (In Uhehe soll es zwei Sorten geben). Das aus diesem Korn bereitete Mehl ist bitter, läßt sich nicht von den harten und kieseligen Samenschalen trennen und bildet deshalb eine für Europäer recht wenig begehrenswerte Nah­rung. Auf der Expedition mit Emin Pascha hatten wir aber monatelang kein anderes Korn und mußten notgedrungen unsere »Kissra« daraus hersteilen lassen. So schlecht aber dieses unter den Zähnen knirschende, bittere Mehl zum Essen ist, so gut eignet es sich zur Bierbereitung; die Neger malzen es erst richtig, wodurch die Bitterkeit nicht verloren geht.

Dies Korn findet sich heute in Süd-Asien von Japan über Süd-China, Java, Bali, AmBoina, Ceylon bis Ost-Indien und Kaschmir angebaut. In Afrika ist es in der Cyrenaica und einigen Oasen, besonders viel in Abessinien, im ganzen tropischen Afrika, soweit es sich nicht um die Gebiete der westafrikanischen Flora handelt, bis zur Grenze der südafrikanischen Region in Natal und Trans­vaal angebaut. In Süd-Angola ist es z. B. noch vorhanden, wahrscheinlich auch im Ovamboland. Durch den ganzen Sudan scheint es verbreitet zu sein.

Man nimmt jetzt allgemein an, daß unser Korn von der Eleusine indica L. abstammt, die man als Unkraut heutzutage überall in den Tropen, sogar in Amerika findet. Diese wilde Form unterscheidet sich von der kultivierten wie in manchen ähnlichen Fällen dadurch, daß bei ersterer die Samen bei der Reife aus den Ährchen herausfallen, während bei der Kulturform sie darin haften bleiben und erst durch Schlagen oder Dreschen herausbefördert werden. Die wilde E. indica findet sich z. B. hier in Amani, und die Leute erzählen, daß sie in Zeiten der Hungersnot oder auch wenn sie besonders Appetit darauf haben, bei sich zu Hause die wilde Sorte zum Verzehren einsammeln. Es ist ein dünn- ähriges Gras. Prof. Uhlig fand eine hier in Herbarium als E. coracana be­stimmte Eleusine wild in 2000 m Höhe am N. E. Hang des Meruberges. Sie sieht durch ihre dünnen, langen Ähren sehr der E. indica ähnlich. Vielleicht ist sie die wilde Form. Auch im Zwischenseengebiet ist sie gefunden und wird wohl sehr weit verbreitet sein.

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika.

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