Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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Die Tomate ist zwar viel weiter bei uns verbreitet als die Eierfrucht und die Bamia, aber es ist doch auffallend, wie wenig sich dies leicht zu kultivierende Gewächs ausbreitete, das überall auf einem alten Schutthaufen ohne Pflege ge­deiht. Allerdings wird die Tomate, wenn man sie ganz vernachlässigt, leicht von der üppig aufsprießenden einheimischen Vegetation erstickt. Pflanzen von einer in die Augen fallenden Nützlichkeit für das tägliche Leben, die hat der Neger im P'luge durch den ganzen Kontinent verbreitet, vorausgesetzt, daß sie in sein System des Hackbaues hineinpaßten und daß sie möglichst mühelos bessere Er­träge gaben, als die Pflanzen, welche er früher baute. Aber für die Tomate, die nicht zum Leben absolut nötig ist, hat er nicht viel Interesse bewiesen; sie wird hier und da auch von den Einheimischen in kleinen Mengen bei den Hütten gepflanzt, ist aber als nicht absolut zur Ernährung nötig nicht allgemein einge­führt. Etwas anderes ist es z. B. mit dem Tabak, der als Reizmittel zur Befriedi­gung täglichen Genusses dem Neger begehrenswert war; aber eine Frucht, die nur gelegentlich eine Zutat zur Ernährung abgab, die lohnt der Mühe des Negers nicht. Es ist das wieder ein Zeichen, daß der Neger für alles, was außer seinem Hackbau liegt und was ihm nicht mühelosen Ertrag für seine allergewöhnlichste notwendigste Ernährung gibt, gar kein Interesse hat, und ohne Zwang oder ohne gänzliche Veränderung seiner Lebensbedingungen sind ihm keine Bedürfnisse der ein wenig höheren Lebenshaltung beizubringen. Dazu ist eine ethnische Ver­mischung nötig, wie wir sie an der Küste hatten. Die Tomate ist in Afrika nur durch die Fremden verbreitet worden, die sie mitbrachten und von deren Wohn­sitzen aus sie sich dann ein klein wenig verbreitete, nicht aber ist sie wie Mais, Maniok, Batate u. a. durch die Neger von Hand zu Hand im ganzen Kontinent ausgebreitet worden.

Christen fand, daß man in Usambara eine runde, große Art (mwirinye), eine nianye mshumaa und eine makunga genannte kennt, von denen letztere wenig beliebt sein soll, da die Leute behaupten, daß sie beim häufigen Genuß derselben Hodenschmerzen bekämen.

22. Solanum Boyeri Dun.

und andere wilde Arten dieser Gattung. Die Früchte einer ganzen Anzahl wild wachsender Solanum- Arten werden von den Negern gegessen. Ich gebe hier nur die Namen derselben meist nach En giers »Pflanzenwelt Ost-Afrikas« :

S. Boyeri Dun., in Zanzibar und Usaramo mtunguyu genannt, auch mtula, funguyu und in Daressalam msamula. Die Früchte werden bisweilen gegessen.

S. ginneense Lam., mnavu an der Zanzibarküste, die Blätter werden als Gemüse gekocht.

5. nigrum L., ist in Abessinien, Sennar, bei Voi in Britisch-Ost-Afrika ge­sammelt und wird von den Creolen in Reunion, Madagascar, Comoren