Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
129
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V. Gurken, Kürbisse und andere Gemüse.

1. Allium Cepa L.

Die Zwiebel wird wie der Knoblauch in Ost-Afrika nicht gebaut, sondern in recht bedeutenden Mengen von Indien aus eingeführt. In neuerer Zeit allerdings hat man hier und da welche gepflanzt, in Kwai sind sogar die riesigen, so­genannten »Teneriffa-Zwiebeln« in vorzüglichster Qualität gezogen, aber man scheint die Kultur im großen wieder verlassen zu haben, wohl weil die Trans­portverhältnisse aus den Gegenden, wo sie wachsen, mit den indischen Preisen nicht konkurrieren können.

In wildem Zustand ist die Zwiebel nach den Angaben von E n g 1 e r in Beludschistan, Afghanistan, bei Lahore, am Tianshan und (zweifelhaft) in Palästina gefunden. Auch sie ist eine der ältesten Kulturpflanzen, die alten Ägypter ge­brauchten sie in großen Mengen, die Juden nannten sie bctsalim, bcscl , bcsalim, die Araber heute basal , bcsol, basl, bcsla, bassul.*) Ganz verschieden sind die Sanscritworte sukandaka, latarka, pallanda und die heutigen indischen dungari, palandu, kanda, sowie die aus dem Persischen stammenden Worte im Indischen piyaz, piyaj, piaj, pias, persisch piyas, wieder ganz verschieden die griechischen und lateinischen, sowie die heutigen europäischen Worte für die Zwiebel. Man kann aus dieser sehr verschiedenen Namengebung sicher auf eine uralte Kultur schließen, die aber vielleicht doch erst aus nacharischer Zeit stammt, und von den Völkern auf ihren Wanderungen nicht mitgebracht, sondern ihnen erst später bekannt wurde, oder aber die Völker fanden die Zwiebel wild in einem Gebiet vor, das weit größer war als das, in dem wir sie heute wild kennen.

Hier in Ostafrika nennt man sie kitimgüu; woher dies Wort kommt, ist schwer zu sagen. Es handelt sich um ein eingeführtes, allerdings sehr viel be­nütztes und allgemein bekanntes Produkt, aber der Name hat mit den indischen, arabischen und persischen Benennungen gar keine Verwandtschaft. Die Annahme,

*) Der Schnittlauch ist arabisch-ägyptisch kurr&t, hebräisch cltazir.

Stuhl mann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika.

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