Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

153

und arabischen Ländern begonnen hat, vielleicht außerdem ebenfalls in Süd-Indien, daß aber die Araber und Perser die Pflanze verbreiteten, zuerst anscheinend nach Syrien und Ägypten, von wo sie dann über ganz Nord-Afrika und in den Sudan wanderte. Wann sie nach Ost-Afrika gelangte, ist schwer zu sagen, sie ist zwar wenig hier verbreitet, aber ich möchte doch glauben, daß die persischen Ansiedler sie etwa im io. bis 14. Jahrhundert herbrachten.

21. Solanum Lycopersicum L.

Die Tomate wird Jedermann bekannt sein. Hier in Ost-Afrika wird nicht die große, hochgezüchte Kulturform mit ihren großen gefalteten Früchten, son­dern eine kleine Varietät gebaut, (var. cerasiformc r) deren Früchte kaum die Größe von Mirabellen haben. In der Nähe der Küstenorte und an den Kara- vanenwegen, aber auch bei den Niederlassungen der Araber ist sie angebaut und vielfach verwildert.

Es ist nicht zu bezweifeln, daß die Pflanze aus Amerika, und zwar aus Peru, stammt und vor der Entdeckung Amerikas in unserer Erdhälfte unbekannt war.*) Wie so viele andere Kulturpflanzen hat sie demnach erst nach Beginn des 16. Jahrhunderts ihren Zug in die Welt angetreten, und meistens blieb ihr der heimische Name tumatle in den Ländern erhalten, wohin sie gebracht wurde. So nennen die Malayen sie tamatic, die Indier timati, tamati. allerdings auch bhatlc, belatcbengana, vilayti-vengan. Auch in Afrika wird sie stellenweis so ge­nannt, so von den Kaffern bei Kilimane tamatimati, und bisweilen auch in Zanzi­bar mtamati, aber gewöhnlich sagt man dort und bei uns an der Küste mnyanya, an der Küste auch matunguja, d. h. Früchte aus Zanzibar, in Usambara etwas verdreht zu matunduja, in Usagara sagt man ngogwc, bei den Wamakonde mangindwa, (vielleicht Früchte aus Ugindo), im Südwesten des Victoria-Sees viltingwana, d. h. die Früchte des Küstenmannes, bei den Wakami uniba, bei den Wakusu-Manyema sunt. Die Haussa sagen gautä, die Tigriner in Abessinien tzcbi-ablm, die Ewe in Togo agbitsa.

Teils hat man also Bezeichnungen, die auf eine fremde Einführung direkt hinweisen, sonst aber nahm man offenbar die Namen von einheimischen Sola­num- Arten wie nyanya, ngogwe.

*) W. Diirkop (Beitr. z. Geschichte der Tomate. Naturrviss. Wochenschrift 1907) glaubt, daß die von Galen (200 v. Clrr.) genannte lycopersicon, lycopersion, lycopersium eine nicht näher bekannte, wohl aus Egypten stammende Frucht sei. Unsere Tomate wird zuerst von Luigi Anguillara von Padua 1560, dann 1561 von Gessner als prummt aureum vel amoris erwähnt. 1572 beschreibt Melchior Guilandinus sie als Americanorum tumatle; wahrscheinlich ist sie dicht vor 1560 aus Peru und Mexico nach Spanien und Portugal einge­führt, und wohl zuerst als Zierpflanze. 1588 war sie nach J. Th. Tabernaem on tan us in Deutschland allgemein bekannt, nach England kam sie wahrscheinlich um 1596. Die Var. cerasiformc wird nicht vor 1805 von Kriinitz erwähnt, ebenso spät eine Form mit unge­teilten Bättern.