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Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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Soweit ich gehört habe, wird unsere Pflanze hier nicht zur Bereitung von Fasern, sondern nur als Gemüse verwandt. Man verzehrt die fleischigen Kelch­blätter, die säuerlich schmecken, roh, oder man kocht sie in Saucen ein, in Zanzi­bar kocht man sie mit Zucker und bereitet ein Gelee davon. Aber sie ist hier nicht häufig, und sehr viele Neger kennen sie überhaupt gar nicht. Ich halte sie für eine recht neue Einführung der Araber und glaube beinahe, daß sie aus Arabien selbst stammt, wofür mir allerdings alle Beweise fehlen. Möglich auch, daß sie in den oberen Nilländern oder in Indien heimisch ist.

Auch die Samen werden zu Mehl vermahlen gegessen, und geröstet dienten sie den Sudanesen der Äquatorialprovinz während der Abgeschlossenheit des Mahdistenaufstandes unter dem Namen karkadcb als Ersatz für Kaffee.

12. Lagenaria vulgaris Sec.

Der Flaschenkürbis oder die Kalebasse ist von den verwandten Gewächsen durch seine großen weißen Blüten zu unterscheiden, seine Blätter sind fast kreis­förmig, an der Basis herzförmig oder nierenförmig, gezähnelt, aber selten gelappt. Die Frucht hat die verschiedensten Formen, ist jung meistens eßbar, bildet aber in der Reife eine holzige Schale, aus der die »Kalebassen« der verschiedensten Formen hergestellt werden. Man kann da kleine runde, kleine mit einer Ein­schnürung, ganz große Formen und solche mit langem Halse sehen, die letztere Form ist ganz charakteristisch für Uganda und Bukoba, zur Aufnahme des un­vermeidlichen Bananenweines dienend. Bei Bukoba wird man niemals einen Mann ohne diese geliebte Kürbisflasche sehen, in deren langem Hals die rusckke genannte Saugröhre steckt, die unten ein feines Sieb hat, damit nichts von den im Bananenwein schwimmenden festen Teilen mit aufgesogen wird. Die ver­schiedenen Fruchtformen gehören offenbar verschiedenen, konstanten Varietäten an.

Das Heimatsgebiet des Flaschenkürbis scheint noch weiter zu reichen als das anderer Cucurbitaceen, es erstreckt sich wahrscheinlich von den Molukken über Indien nach Afrika. Hier hat man die Pflanze in Abessinien, dem Sudan, Südostafrika und im Westen wild gefunden, und überall in Afrika ist sie an­gebaut, indem die Calebassen ein wesentlicher Bestandteil vom Hausrat des Negers 1 bilden, bis tief hinein in den Kongo-Urwald.

Es handelt sich jedenfalls um ein in Afrika einheimisches Gewächs, das wegen seiner Nützlichkeit als Aufnahmegefäß für alles mögliche hier sowohl als auch in Indien und vielleicht auch weiter östlich in Kultur genommen wurde.

Die kultivierte eßbare Sorte hieß im Sanscrit alabu, die bittere kutu-tumbi, ttkiaka, titkika, in den heutigen indischen Sprachen heißt die kultivierte kaddu, lauki, lau, keshniphal, kodu, die bittere tumri, außerdem finde ich noch kcddu, kabidi-kaddu, tumba, balashora, titkalau, shorakai, garadudi; die Malayen sagen bella-shora, die Perser kaddu.

Bei den Semiten scheint die Art erst recht spät bekannt geworden zu sein, die Schriftsteller sind sich wenigstens nicht darüber einig, ob die alten Ägypter

Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika. IO