Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
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als tiamnikiva, eine graugelbe, graugrün genetzte als kiyonia bezeichnet. Im all­gemeinen werden die hartschaligen Sorten von den Washambaa und Wasegua makoko, von den Swahili koko genannt.

10. Hibiscus esculentus (L.) Mey.

Die Bamia, Okro, Gombo gehört zur artenreichen Gattung Hibiscus, von der etwa ioo Arten in dem tropischen und nördlichen Afrika, auf Mada- gascar, den'Mascarenen, Comoren und Socotra einheimisch sind. Die fragliche Art bildet eine zweijährige, behaarte Staude mit stumpfen, grob gezähnten, 35-lappigen, beiderseits behaarten und rauhen Blättern. Der sich einseitig spaltende Kelch ist von einem aus etwa io Blättern bestehenden Hüllkelch um­geben. Die großen Blumen sind blaßgelb, an der Basis dunkelkarminrot. Die Frucht ist lang pyramidal und mit Längsriefen versehen. Bei der Reife springt sie von oben nach unten klappig auf. Im Durchschnitt kann man erkennen, daß die Kapsel aus etwa io Längsfächern besteht, die um eine Mittelachse gruppiert sind, an der die zahlreichen Samen sitzen. Man ißt die Frucht im jungen, unreifen Zustand, solange sie noch zart ist. Sie kann für sich als Ge­müse gekocht oder mit Fleisch zusammen als Ragout behandelt werden. Immer wird man finden, daß das daraus bereitete Gericht etwas schleimig und geradezu fadenziehend ist, was vielen unsympathisch ist; hat man sich aber daran gewöhnt, so bildet sie eine angenehme Abwechselung in der hiesigen Ernährung. In Deutschland bekommt man die Früchte als Suppeneinlagen bei den feinsten Diners meist unter dem Namen okro.

In Deutsch-Ost-Afrika wird die Pflanze an der Küste wohl bei jeder größeren Ansiedelung gebaut, ebenso wie in Zanzibar unter dem Namen vibamia, mbamiya, auch kommt sie hier und da in Usagara und bei Tabora vor. Dann aber kenne ich sie erst wieder im Norden aus Uganda, Unyoro, dem Semliki-Tal, den Gegenden westlich vom Albert-See und weiter nördlich bei den A-Sande, in der ganzen Äquatorialprovinz. Ferner ist sie im ganzen Sudan bis hinüber nach Senegambien, in Ägypten, Algier und an manchen Punkten in West-Afrika an­gebaut. Ich habe nie gehört, daß sie wirklich wild hier gefunden sei, hier in Ost-Afrika ist sie jedenfalls nur angebaut zu finden und wohl stets im Gefolge arabischer Kultur. Ich bin überzeugt, daß sie hier im Osten wenigstens eine Einführung der Araber ist, auch nach Uganda, Unyoro und in die Länder west­lich vom Albert-See wird sie durch die Sudanesen der früheren ägyptischen Äquatorialprovinz gebracht sein. Ihr hiesiger Name bamia zeigt schon eine arabische Provenienz an; soweit ich mich erinnere, wird sie manchmal von den Sudanesen auch mclochia genannt, ein Name, der an der Guinea-Küste (meluchiah) ebenfalls gebraucht wird. Eigentlich ist Corchorus olitorius die melochiah der Araber, da aber beide Pflanzen schleimige Saucen geben, werden sie vielleicht einmal in der Benennung verwechselt.

Sonst wird die Pflanze noch genannt bei den A-Sande mbogu, bei den