Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
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Entwickelung kommen läßt, außerdem wird sie nach Vosselers Beobachtungen sehr von einer an den Wurzeln sitzenden wolligen Schildlaus mitgenommen, die die Pflanze so schwächt, daß sie zu keiner Fruchtentwickelung kommt. Gegen den ersteren Schädling hilft nur das Einhüllen der sich eben bildenden Frucht mit einem Säckchen, gegen den letzteren nur ein häufiger Ortswechsel mit der Kultur, denn es zeigte sich hier in Amani, daß schon wenn man das zweite Mal Gurken an derselben Stelle baut, die Läuse so überhand nehmen, daß sich nur noch sehr selten Früchte bilden.

Die Kultur der echten Gurke begann wahrscheinlich in sehr alter *Zeit in Indien und zwar im Nordwesten dieses Landes. Wild hat man sie allerdings nirgends gefunden, wohl aber am Himalaya die sehr nahe verwandte C. Hard- wickii Roylc. Die echte Gurke wurde im Sanscrit sukara, auch mutrulla ge­nannt, sie heißt in den heutigen indischen Sprachen sasa, khcra, kankari, kakni, kakri, kira, im persischen khijar, im Arabischen kusaya, kusud, in Ägypten fakos, kusa, chijar, in Algier khiar, in Syrien agur.

Manche dieser arabischen und indischen Worte hängen vielleicht mit dem sukasa des Sanscrit zusammen, ebenso auch das sikuos des Altgriechischen, aus dem das sikua der Neugriechen wurde. Jedenfalls ist die Gurke schon in sehr alter Zeit aus Indien nach dem Nordwesten gewandert. Im alten Ägypten sind mehrere Varietäten auf Opfertafeln abgebildet. Man vermutet, daß sie die kishuim der Juden war, (doch nimmt Wittmack an, daß dies C.Melo-Chate gewesen sei) das klassische Griechenland kannte sie jedenfalls, und in Italien gab man ihr nach dem Worte cumcra (bedecktes Gefäß, Truhe) die Be­zeichnung cucumcra (Hehn). Viel später trat dann in Konstantinopel ein wohl aus dem Osten gekommener Name für die Gurke aggaurion auf, der wahrschein­lich »die unreife« bezeichnete, d. h. die Frucht, welche unreif genossen wurde, während man die reif zu genießenden Cucurbitaceen peponi nannte. Auf alle Fälle ist das deutsche Wort Gurke aus diesem aggaurion hervorgegangen, ebenso wie viele slavische Bezeichnungen (russisch ogurcc). Da dies Wort die unreife bedeutete, nannte man stellenweis so auch die ebenfalls roh gegessene Wasser­melone.

Auch von den hiesigen Eingeborenen wird C. Sativus gebaut. Busse sammelte sie auf dem Rondo-Plateau im Bezirk Lindi.

9. Cucurbita moschata Duch.

Die Kürbisse unterscheiden sich von den anderen Cucurbitaceen, indem sie gelappte Blätter, ein- bis zweispaltige Ranken und große, gelbe, eingeschlecht­liche Blüten haben. Nach Warburgs Angabe soll von den Arten dieser Gattung nur die C. maxima in Deutsch-Ostafrika gebaut werden, nach dem Kulturver­suche in Amani aber handelte es sich stets um C. moschata. Damit aber auch