Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
132
Einzelbild herunterladen
 

gegen Schwarzwasserfieber empfohlen wurde. Offenbar hat dies Decoct eine diuretische Wirkung.

Ebenfalls zu spinatartigem Gemüse werden Pflanzen der Gattungen Atriplex (mnavu) und Cclosia verwandt, sowie Polygonnm sp., die in Usambara mu- lungi genannt wird und Rum ex abyssinicus Jacq, eine Sauerampfer-Sorte.

Fast alle diese Pflanzen werden wild im Busch und auf Unkrauthalden ge­sammelt, nur Amaranthus kultiviert man bisweilen wie z. B. in Uganda und im Westen des Albert-Sees.

Den Gemüs e-Amaranthus nennt man an der Küste allgemein mchicha , den A. Caudatus in Bagamoyo mkulandi, bei den Bakwiri in Kamerun fallabuc.

4. Citrullus vulgaris Schrad.

Die Wassermelone trägt an ihren auf der Erde hinkriechenden Ranke­stengeln tief drei- bis fünflappige Blätter, deren Teile wiederum gelappt sind. Aus den gelben Blüten entwickelt sich eine große, runde oder elliptische Frucht, die nicht aufspringt. Die platten, länglichen, glatten und meist schwarzen Samen sind sehr zahlreich.

Erst die botanische Erforschung von dem Inneren Afrikas hat bewiesen, daß die Wassermelone in diesem Erdteil wild wächst, und zwar kommt sie von dem äußersten Süd-Afrika (z. B. Hereroland) bis nach Kordofan und dem weißen Nil vor, sie fehlt aber in dieser Zone gänzlich in dem Gebiet der westafrikanischen Waldflora, wie im eigentlichen Kongo-Urwald und in Mombuttu, ganz scheint sie ebenfalls im Zwischenseengebiet zu fehlen. Überall, wo sie vorkommt, hat man bittere und süße Früchte nebeneinander, und überall wird sie auch angebaut. Nun war die Wassermelone im alten Ägypten als Kulturpflanze bekannt, die Juden sehnten sich bei ihrer Wüstenwanderung nach den abbatitchim ge­nannten Früchten, die man heute noch in Ägypten und anderen arabischen Ländern battich, bartich, bclikt, battcke nennt (auf Malayisch bateka), aus dem man das französische pasteque machte. Und aus dem abbatitchim übersetzte die Septuaginta pcpones, denn die Römer nannten diese Frucht und nicht den erst später eingeführten Kürbis pcpo.

Uralte, von diesem Wort battich unabhängige Bezeichnungen gibt es auch bei den Berbern Nordafrikas tadellat, in Marokko dilla, dcllaa, in Algier Kadadja, bei den Tuareg tilcdjest, ebenso das zayidria, cindriavon Spanien und das sindriavon Sardinien, das auf alte baskische Namen schließen läßt. Daraus nun, daß die alten Ägypter andere Kulturpflanzen des Sudan, wie z. B. Sorghum nicht erhielten, kann man vielleicht schließen, daß sie auch die Wassermelone sich nicht aus den Sudan­ländern geholt haben, daß sie vielmehr wahrscheinlich in alter Zeit auch in Ägypten und Nordafrika einheimisch war und dort in Kultur genommen wurde, und daß dann wahrscheinlich mit der Zeit die wilden Wassermelonen dort ver­schwanden.

Das alte Verbreitungsgebiet ging möglicherweise noch weiter, denn in