Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
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Inneren von Afrika Geschmack daran finden. Vielleicht könnte man einen Alkohol daraus destillieren.

Der Baum mit seiner schönen Krone von länglichen, dunkelgrünen Blättern ist im ganzen tropischen Afrika verbreitet. Er heißt an der Küste msamberau, mthamberao, in Unyamwezi msafwah, bei den Kaffern mgambcran. Die Haussa nennen ihn assäre, die Fullah dilmarc.

Ich führe ihn hier auf, weil man manchmal ihn verwechselt mit dem in Südasien kultivierten 5 . Jambolanum , dem jaman, jam, jamun-phalinda der Indier, dem jambti, jambula des Sanscrit, dessen Früchte aber den Beschreibungen nach auch nicht sehr gut sind (vergl. oben unter Jambosa vulgaris Seite 105).

41. Vitis vinifera L.

Der Weinstock ist wahrscheinlich zuerst in den Ländern von Vorderasien südlich vom schwarzen Meer in Kultur genommen worden, war aber wohl in ganz Mitteleuropa in junggeolögischer und vorhistorischer Zeit wild. Die Kultur breitete sich in vorhistorischer Zeit aus, einerseits nach Europa, wo man Reste der Kerne aus den Pfahlbauten von Parma und Varese fand. Das ganze Altertum kannte den Weinbau als eine uralte Kultur. In die semitischen Länder ist er anderer­seits ebenfalls in vorhistorischer Zeit gelangt, im alten Ägypten nannte man die Traube clel, crer, das Getränk arp. Aus den persischen Bezeichnungen stammt das illyrische vaina, das armenische voino, das arabisch-äthiopische tvainp') und das altgriechische omos, ebenso wie das lateinische vinum ab. Wahrscheinlich stammt auch die Dionysos-Sage aus Vorderasien (Thracien-Phrygien). Die Araber bauten in vormohammedanischer Zeit den Wein und kelterten ihn, im Schiras wuchs eine berühmte Sorte, jetzt hat das religiöse Gesetz das Keltern verboten, aber der Rebstock dalji, anbali, zardschun, die Traube inab, incb und die getrockneten Beeren kishmish, zabib, sind noch immer sehr beliebt. Und nach dem arabischen Wort zabib für die Rosinen nennt man sie stellenweis heute noch, in Italien zibibbo, in Deutschland Zibeben; sonst heißen sie in den romanischen Sprachen uva passa.

Ebenfalls nach Indien kam der Weinstock in vorhistorischer Zeit, die Traube heißt im Sanscrit draksha. Heute noch baut man ihn dort im Norden, berühmt sind die Trauben von Kaschmir.

In Ostafrika wird der Weinstock vizabibu genannt, also mit dem arabischen Namen für die Rosinen bezeichnet. Es ist klar, daß die Araber eben die Rosinen als Handelsartikel herbrachten, daß diese deshalb hier zuerst bekannt wurden. Sie werden in recht ordinären, stengelhaltigen Sorten noch heute vom persischen Golf und Maskat, auch von Indien hier eingeführt.

Später wird man aus den Kernen der Rosinen hier und da auch Pflanzen

*) Ägypteninib, das Getränk nbid, in Marokko die Traube cnab, in Algier bei den Arabern ddlia, bei den Tuareg tara, aserbour, in Abessinien auf Amhari ubinc, auf Tigrinja ueini, wo'ini.