Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
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wir hieran nicht denken. Bessere Sorten der echten Morus alba haben wir in Amani von Italien als Bäume eingeführt, die aber noch recht langsam wachsen, ebenso einige gepfropfte M. nigra, die recht kümmerlich gedeihen und abzu­sterben- scheinen.

Diese indische Maulbeerpflanze wird viel von der Larve eines Bockkäfers heimgesucht, aber die unverwüstliche Lebenskraft derselben läßt sie immer von neuem wieder ausschlagen. Sie wächst hier als Strauch, nicht als Baum und bildet dichte Hecken, wenn man sie richtig schneidet.

25. Nephelium lappaceum L.

Der Rambutan oder falsche Litschi ist ein hoher Baum mit fiedrigen Blättern, in deren Blattachsen oder an den Zweigenden die langstieligen Frucht­stände mit oft 2030 Früchten sitzen. Diese sind etwa pflaumengroß, rings mit langen, biegsamen, borstigen Warzen besetzt und dunkelkarminrot. Im Inneren der ledrigen Außenschale liegt ein mandelförmiger, brauner Kern, der von einer glasigen, saftigen Samenhülle (Arillus) umgeben ist. Und diese saftige Hülle genießt man; sie enthält sehr aromatisch und leicht säuerlich schmeckenden Saft, den man aussaugt. Es ist eine recht angenehm erfrischende Frucht.

Soviel ich weiß, gibt es den Baum nur in Zanzibar, wo die Europäer ihn fälschlich Litschi nennen. Der Litschi (N. Lichi Cambess.) hat eine Schale, die nur von ganz kleinen, kurzen Wärzchen besetzt ist. Dieser kommt hier, mit Ausnahme einiger junger Pflanzen in Amani, nicht vor, in den deutschen Deli­katessenläden bekommt man seine aus China stammenden Früchte wie Rosinen getrocknet und umgeben von der warzigen Schale. Unsere hiesige Pflanze da­gegen ist der Rambutan des malayischen Gebietes, wo er auch wohl heimisch ist.

Ich habe früher in Daressalam vergeblich versucht, diesen Baum anzupflanzen, die Samen keimten meist nicht und von Zanzibar importierte junge Pflanzen gingen stets nach einiger Zeit zu Grunde.

Der Rambutan heißt bei den Swahili choko-choko. Woher dieser Name kommt, weiß ich nicht, mit choko, toko den Namen für Phascolus Mungo kann er schwerlich einen Zusammenhang haben. Ebenso wenig hat er etwas mit der choke-chöre-dycke genannten JJrena lobata zu tun, einem mit Hibiscus verwandtem Kraut. Zu Burtons Zeit (1857) gab es schon welche in Zanzibar, in Senegambien sind sie etwa 1816 eingeführt. Ich vermute, daß sie in ZaiTzi- bar auch Anfang des 19. Jahrhunderts eingeführt wurden, wahrscheinlich von Reunion aus.

26. Opuntia Ficus Indica Miller.

Die Cactus-Feige ist in Zentral-Amerika, besonders Mexiko heimisch. Die von den Swahili mpungati (die »stachelige«) genannte Pflanze ist in Ost-Afrika nicht besonders häufig, was recht auffallend ist, da sie von den Spaniern schon Anfang des 16. Jahrhunderts nach den Mittelmeerländern gebracht wurde und