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zündung wie spanische Fliegen verursachen, deren Stellen zuerst weißrosa, dann nach dem Heilen schwarz werden, so eine »Verzierung« geben, die anderweitig nur durch eine schmerzhafte Tätowierung erzeugt werden könnte. Der cardol- haltige Saft dient auch als Ätzmittel bei Hautkrankheiten und Warzen, ein Extrakt von ihm in Spiritus soll in Indien mit Erfolg angewandt werden, um die bei den Eingeborenen oft auftretenden Risse an den Füßen zu behandeln. Aus diesem Cardol wird von den W äschern eine schwarze Beize zum Zeichnen der Wäsche hergestellt.
Aus Verletzungen des Stammes tritt ein helles, nur halblösliches Gummi aus, das oft in Form langer Stalaktiten am Baume hängt. Leider hat es keinen großen Handelswert.
Eine Wäschezeichentinte wird in Indien noch mehr aus dem dort heimischen Baum Semecarpus Anacardium L. hergestellt, dessen Früchte einen kleineren, aber auch fleischigen Fruchtstiel haben, dessen Kerne ebenso eßbar sind, und dessen Blätter dem des Acajou-Baumes sehr ähnlich sehen. Semecarp us heißt nun in Nordindien bhilawa, bhalia, bhcla, in Maharatta bibiua, bibu, in Bombay biba, bilambi, und ich vermute, daß die Indier den Namen biba, bibu, des ihnen bekannten Semecarpus auf den neueingeführten Acaju übertrugen, und daß daraus der Swahili-Ausdruck mbibu entstanden ist. Das persisch-turkestanische Wort für Seme carp us baladsir, baladur ist wohl aus dem Sanscritwort bhallataka entstanden, wo der Baum auch arushkara heißt. Möglich auch, daß dies letztere W’ort dem Swahili-Namen korosho für die Frucht des Acajou zugrunde liegt. Anscheinend haben hiesige Kolonisten den in Indien heimischen Semecarpus hier mit dem Acajou verwechselt. Die Kerne von beiden Arten waren früher unter dem gleichen Namen »Elefantenläuse« in den deutschen Apotheken offizineil und sollten gegen Geistesschwäche helfen.
Beim Rösten der Kerne vom Kaschu-Baum muß man vorsichtig sein, weil selbst der Dampf des Cardol gefährlich ist. Auch mit der Wäschetinte aus beiden Bäumen ist nicht zu spaßen, ihr Verkauf ist deshalb in Berlin polizeilich verboten. Sie wurde vornehmlich aus Semecarpus- Früchten gemacht, die ihren Namen von Scmeion = Merkzeichen (griechisch) bekamen.
Kleinkolonisten kann die bequeme Herstellung des Alkohols durch Gärung und Destillation der Fruchtstiele als Hausindustrie empfohlen werden.
4. Ananas sativus Schult.
Die Ananas wird jedermann bekannt sein, es ist ein rosettenartiger Busch langer, an den Rändern gedornter Blätter, in dessen Mitte der zapfenförmige Blütenstand sitzt. Die Ananas ist nämlich keine einzelne Frucht, sondern ein zusammengesetzter Fruchtstand. Um eine Achse stehen die fleischigen Früchte und verwachsen bei der Reife mit den fleischig werdenden Deckblättern und der ebenfalls fleischig werdenden Achse zu einer Sammelfrucht, durch welche die Achse hindurchwächst und als Schopf oben auf der Frucht erscheint.