Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
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II. Bananen

1. Musa paradisiaca L.

(Vergl. Verbreitungskarte).

Die Banane bildet zusammen mit der Cocos -Palme so eigentlich die Charakterpflanze der Tropen. Ihr mächtiger, saftiger, nur aus Blattscheiden ge­bildeter »Stamm« trägt die riesigen, breiten und leuchtendgrünen Blätter, deren Blattspreiten vielfach vom Winde zerzaust sind; aus der Mitte der Blätter tritt an langem Stiel die Fruchttraube heraus, an deren Ende unter meist violettroten Deckblättern die sich nicht zu Früchten entwickelnden Blüten sitzen. Wie kaum eine andere Pflanze hat dies fremdartige, fast einer früheren Erdepoche ange­hörende, imposante Gewächs überall die Tropen erobert, wo es Millionen von Menschen die alltägliche Nahrung sowie Leckerbissen liefert. Kaum eine andere Pflanze ist so sehr an den Menschen und sein Geschick gebunden, wie die Banane, deren Früchte fast nie Samen zur Vermehrung hervorbringen und die deshalb in ihrer Verbreitung ganz auf den Transport der Wurzelschößlinge durch den Menschen angewiesen ist. Da es nun nicht sehr wahrscheinlich ist, daß eine Pflanze sich an verschiedenen Punkten der Erde in derselben Weise aus ihrer wilden P'orm durch die Zucht des Menschen verändert hat, so ist gerade mit Bezug auf die Abstammungsfrage die Banane äußerst interessant. Sie muß von einer Region der Erde ihren Ursprung genommen haben, um von da ihre Wande­rung anzutreten. Allem Anschein nach haben wir in der Banane eine der aller­ältesten Kulturpflanzen vor uns, und wir müssen bei unseren Untersuchungen in Rücksicht ziehen, daß sie wahrscheinlich schon in Kultur genommen wurde, als die Verteilung von Land und Wasser auf der Erde eine andere als heute war, oder wenigstens als die Vegetationsformen der Erde von den heutigen abwichen, als wir eine feuchtere und auch wohl kühlere Zeit hatten.

Die Botaniker lehren uns, daß die Gattung Musa etwa 44 gute Arten hat (K. Sch umann, Musaceae in Englers Pflanzenreich), die sämtlich in der östl. Welt, d. h. Afrika, in dem südlichen Asien, auf den Inseln des Stillen Meeres und nur drei auch in Queensland und Neucaledonien einheimisch sind.