34
9. Phoenix reclinata Jacq.
Die wilde Dattelpalme ist überall in Ost-Afrika zu finden, wo der Feuchtigkeitsgehalt des Bodens ihr genügt. Sie ist unzweifelhaft eine im tropischen Afrika einheimische Pflanze und findet sich nur in wildem Zustande, oft noch hoch oben in den Gebirgen. Sie heißt im Küstengebiet di kindu oder auch Disala. Letzterer Ausdruck ist von dem arabischen Wort für bitten oder beten abgeleitet,*) da aus den Blättern dieser Palme die zur Unterlage beim mohame- danischen Gebet benützten länglichen Matten mit abgerundeten Schmalseiten hergestellt werden, ebenso wie die feineren Schlafmatten ( inkcka).
Die Wawemba nennen diese Palme msanda, die Wassukuma kashosika, die Wahiyao und Makuwa muchindu, die Tigrinja in Abessinien acusa'öna, sinanlakha, agssana, ssich, die Tigre arib, rilib, bcllasa, fömmar, die Amhari asanno. Die jungen noch nicht entfalteten Blätter werden im Schatten getrocknet, manchmal erst auch noch gekocht, in feine Streifen zerschlitzt und mit verschiedenen Pflanzenstoffen gefärbt. Dann flechten die Frauen sie in lange, etwa fingerbreite Streifen, ukili genannt, die ihrerseits mit Fasern, meist von Raphia, zusammengeflochten werden, so daß die viereckigen mikcka oder die länglichen und abgerundeten 7//W/tf-Matten zustande kommen. Die feinsten und größten der bunten mikeka stellt man in Chole auf der Insel Mafia her, die bei weitem besten, sehr dünnen, nur in weiß und schwarz gehaltenen bei Mwoa nördlich von Tanga. In letztere sind oft mißgestaltete arabische Schriftzüge und stilisierte Tier- und Menschenfiguren eingeflochten, was unzweifelhaft auf persische Beziehungen deutet. In Uganda, wo besonders schöne Phönixpalmen stehen, werden ihre schlanken Stämme beim Bau der großen Häuser verwandt.
Die rote Farbe der Mattenstreifen wird meist mit fua (Rubia sp.), die gelbe mit ma?iyano (Curcuma longa) die schwarze mit den cardolhaltigen Samenschalen von corosho (Anacardium occidentalc) oder auch mit Datura fastuosa (vinara), hergestellt, während Datura alba zur Herstellung von blauer und grüner Färbung benutzt wird.**)
10. Raphia Mombuttorum Drude.
Die Raphia- oder Bambu-Palme. Die Pflanzengattung Raphia ist typisch afrikanisch und in allen feuchteren Lokalitäten des tropischen Afrikas in mehreren Arten verbreitet. Zwei Varietäten der westafrikanischen R. vinifera treten allerdings, wohl als »Versprengungen«, an der Mündung des Amazonas und an der zentralamerikanischen Küste auf, vielleicht durch die Meeresströmungen dorthin verschlagen. Die am besten technisch ausgebeutete Art R. Ruffia Mart.
*) Vielleicht liegt hier eine Volksetymologie vor, denn msala könnte auch von einem Bantuwort sala = Hunger abgeleitet werden, die Früchte werden vielfach in Hungerzeiten gegessen.
**) Burton schreibt, daß die wilde Dattelpalme auch brab genannt ward von dem portugiesischen Wort brabo, bravo oder brawa = wild.