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Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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3. Calamus sp.

Rottang, Stuhlrohr, kommt aus Hinterindien über Bombay zu uns. Hier wird es khenzirani genannt, manchmal auch wie inthirani, nathirani ausgesprochen. Woher der Name kommt, weiß ich nicht, wenn er nicht mit der Gudjerat-Be- zeichnung natar zusammenhängt. Die Indier nennen die Pflanze sonst bcta, vcta, die Tamilen parambu, die Perser bed, die Araber dam und die Malayen rotan.

In Deutsch-Ostafrika gibt es nur an der Grenze der westafrikanischen Wald­flora Kletterpalmen, deren botanische Zugehörigkeit aber noch unsicher ist. In Uganda und nördlich vom Albert Edward-See sowie im Norden des Tanganika, nicht weit von der Station Usumbura, kommen welche vor, wo sie in Urundi rugagc heißen. Von dort bekamen wir vor kurzem lebende Pflanzen nach Amani, die aber sich noch nicht bestimmen lassen. Das nach Deutschland gesandte Rohr wurde ungünstig beurteilt, was aber vielleicht an dem ungünstigen Reife­zustand gelegen haben mag. In Amani gedeihen gut einige aus Java eingeführte Sorten, Calamus asperrimus, C. cinnamomcus, C. Rottang, C. tcnuis, Daemorops periacanthus und D. Intermedins.

Ich glaube aber nicht, daß das Stuhlrohr einmal eine große Wichtigkeit für uns bekommen wird, höchstens kann es den Bedarf der von der Kommunal- Verwaltung in- Kilwa eingerichteten, aber einstweilen fallen gelassenen P'lecht- schule decken, die ihr Material teuer aus Bombay beziehen mußte.

4. Cocos nucifera L.

Die Cocos-Palme. Wenn man heutzutage in den tropischen Gebieten des indischen und stillen Ozeans von Palmen im allgemeinen spricht, so meint man stets diesen stolzen Baum, der sich an den Küsten der ganzen Tropenzone findet, am reichlichsten allerdings wohl am Stillen Ozean, im indischen Archipel und am indischen Ozean, weniger an der Westküste Afrikas und in Zentralamerika. Man sollte diese Palme deshalb nach ihrer heutigen Verbreitung für tropen­kosmopolitisch halten.

Es wäre an sich zwar möglich, daß eine Pflanzenart ihre Heimat in ver­schiedenen Kontinenten hat, aber die Palmen verhalten sich in dieser Beziehung sehr lokalisiert. Von allen den zahlreichen Arten der Cocoineae finden sich nur eine Cocos und eine Elaeis in weiter Verbreitung außerhalb Amerikas, und diese beiden sind Kulturpflanzen. Die 30 Arten der Gattung Cocos finden sich mit einziger Ausnahme von C. nucifera ausschließlich in dem tropischen Amerika. Die Wahrscheinlichkeit ist also sehr groß, daß auch die Cocospalme in Amerika ihre Urheimat hat.

Unzweifelhaft wild ist unser Baum aber wohl noch nicht gefunden. Zwar haben die Seefahrer Dampier und Vancouver sie Anfang des 17. Jahrhunderts auf den Inseln nahe der Landenge von Panama und auf der 300 Seemeilen vom P'estland entfernten Cocos-Insel, die alle damals unbewohnt waren, massenhaft