-btf^WäiWiHSrv
•*■..»> ¥'
18
FRANZ LINKE
; ^
Systeme aber auf seichte Küsten, so hört die Gültigkeit des Gesetzes der Superposition auf und es müssen im Ausdruck für die resultierende Welle auch die Größen höherer Ordnung berücksichtigt werden. Bei Durchrechnung des Problems findet Borgen eine Welle von den Dimensionen
tt' „ IV
T =
t'-t’
L =
l’-l
wobei der Charakter als fortschreitende Welle gewahrt bleibt. Für t' = 4.2 und t = 4.0 wird T = 84 Sek. und L = 275 m. Nach der schon benutzten Methode von G. H. Darwin (s. S. 9) kann man die durch Vorübergang solcher Wellen über eine elastische Unterlage bewirkten Neigungen berechnen. Für das Maximum der Neigung findet Darwin die Beziehung
whg
t = -tr 2 - ■ cosec 1 t max gp
wo q der Modulus der Steifigkeit der Unterlage, io die Dichte des den Druck ausübenden Mediums (für Wasser = 1), h die halbe Höhe der Welle ist. Das Maximum der Neigung entnehme ich dem Seismographen als 0.06 Bogensekunde, als größte Wellenhöhe gibt der Pegel 8 cm an. Danach ergibt sich der Modulus der Steifigkeit für das Korallenriff zu 1.4 X 10 10 , was recht gut stimmen kann, da z. B. für Sandstein — 0.4 bis 2.6 x 10'° gefunden ist').
In der seismischen Literatur werden oft Wellen von mehreren Minuten Periode erwähnt. Sie sind oft instrumenteilen Ursachen zuzuschreiben. O. Hecker hat aber für Potsdam wahrscheinlich gemacht, daß sie von der Reibung des Windes an der Erdoberfläche (Wald?) herrühren. Hingegen scheinen die in Honolulu gefundenen „langen Wellen“ mit der darauf folgenden Unruhe ähnlicher Natur mit denen in Samoa zu sein. Letztere, von Reid mit aircurrents bezeichnet, würde dann dadurch zu erklären sein, daß der höhere Wasserstand in der Nähe der Station auch höhere Wellen zur Folge hätte.
Die Wirkung von Ebbe und Flut.
Noch eine dritte Wirkung der Meereswellen auf der Erde wäre zu erwähnen: die Wirkung von Ebbe und Flut. Bei regelmäßigen Küstenbildungen ist es möglich den Einfluß rechnerisch zu behandeln. In Samoa ist das wegen der ungleichmäßigen Gestalt der Küste, der exponierten Aufstellung des Seismographen und der Gezeitenströmungen innerhalb des Riffes unmöglich. Die Beobachtungen jn Samoa zeigten, daß bei geringem und ruhigem Wechsel der Gezeiten der Effekt auf den Seismographen nur gering ist, etwa 0.1 Bogensekunde; und zwar treten die größten Neigungen nicht im Hoch- und Niedrigwasser, sondern zu der Zeit der größten Änderung des Wasserstandes ein. Beim höchsten und
1) Hakusabe: The modulus of rigidity etc. Publ. of the Earthqu. invest. Comm. 1904.
W !: