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Ergebnisse der Arbeiten des Samoa-Observatoriums der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen
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DIE BRANDUNGSBEWEGUNGEN DES ERDBODENS UND EIN VERSUCH IHRER VERWENDUNG. 7

Da nun in der Tat die Beobachtungen am Samoa-Observatorium, weil sie unter Verhältnissen gewonnen wurden, welche von den europäischen und japani­schen stark abweichen, besonders zur Klärung der Frage beitragen, hatte ich schon vor Zusammentreten der Konferenz die Absicht, meine Resultate ausführ­lich zu veröffentlichen.

Die Brandung der Meereswellen als Ursache der Bodenunruhe.

In einem Punkte stimmen die Ansichten aller, die der Frage der Bodenunruhe nahegetreten sind, überein, daß nämlich die Existenz von Barometergradienten oder die Änderung dieser Gradienten für das Zustandekommen notwendige, nicht aber hinreichende Bedingung sind. Stellen wir die Frage, welche Folgen nun ein vorhandener Luftdruckgradient haben muß, so ist die erste Antwort: Die Entstehung von Wind. Und die hauptsächlichste Folge des Windes sind die Meereswellen. Um zu untersuchen, in welchem Maße diese zur Erklärung her­beigezogen werden können, soll kurz berichtet werden, was man bisher über die Meereswellen weiß. Ich schließe mich darin den Arbeiten von 0. Krümmel 1 ), C. Borgen 2 3 ), G. Schott 8 ) und A. Paris 4 ) an.

Die Beobachtungen haben gezeigt, daß die Meereswellen in einiger An­näherung die Form einer Trochoide haben. Die Theorie ist nur für sehr flache Wellen durchgeführt. Sie gibt Gesetze, welche die Wellenelemente nach Länge, Periode und Fortpflanzungsgeschwindigkeit mit einander verbinden, hingegen noch keine mit der Beobachtung übereinstimmenden Beziehungen der Wind­geschwindigkeit zu den genannten Größen. Auch um die Abhängigkeit der Höhe von der Windstärke etc. zu erfahren, muß man auf die Beobachtung zurück­greifen.

Besonders wichtig für die vorliegenden Untersuchungen wäre es, die' Ab­hängigkeit der Windgeschwindigkeit von der Wellenperiode zu kennen; oder, was dasselbe sagen will, die Abhängigkeit der Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Wellen von der Windgeschwindigkeit. Die bisherigen Beobachtungen wider­sprechen sich insofern, als Krümmel aus Beobachtungen von Paris das Ver­hältnis von Wind- und Wellengeschwindigkeit zu 0.8 und Schott zu 1.3 be­rechnet. Die Unsicherheit stammt wohl daher, daß stets bei Wellenbeobachtungen die Windstärke nach der Beaufortskala geschätzt worden ist. Es ist natürlich unmöglich anzunehmen, daß die Geschwindigkeit der Wellen größer sei als die

1) 0. Krümmel: Ozeanographie II, Stuttgart, 1877. Ders.: Geophys. Beob. d. Plankton- Expedition , 1893.

2) C. Borgen: Über den Zusammenhang zwischen Wind und den Dimensionen der Meeres­wellen etc. Ann. d. Ilydr., 18, 1890.

3) G. Schott: Wissenschaftliche Ergebnisse einer Forschungsreise zur See. Pet. Mitt., 1893. Ergänzungsheft.

4) A. Paris: Rev. Mar. et col. 31, 1871.