DAS SAMOA - OBSERVATORIUM.
69
die in erster Linie nur Studienzwecken dienen soll; in späterer Zeit, sobald die zu erwartende telegraphische Verbindung der Inseln untereinander ausgeführt ist, würde eine Ausnutzung der mittlerweile gesammelten Ergebnisse zu Sturmwarnungen und Segelanweisungen sich von selbst ergeben.
Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, habe ich bei allen Regierungen der Südseeinseln sowie bei einigen großen Gesellschaften Umfrage gehalten, ob sie geneigt wären, dieser Organisation beizutreten und gleichzeitig um Anlage neuer Stationen und Einsendung der Beobachtungen gebeten. Es sind von allen Seiten durchaus zustimmende Antworten eingegangen und einige Stationen neu angelegt. Von verschiedenen Seiten gehen uns Beobachtungen bereits zu. Ferner habe ich auf der Rückreise in Tutuila, den Tonga-Inseln, Neu-Seeland und Australien mit den maßgebenden Instanzen mündlich verhandelt und ebenfalls lebhafte Zustimmung gefunden. Natürlich erfordert die Übernahme dieser Arbeiten eine Vermehrung des Personals und zwar wäre ein Engländer dafür zu gewinnen, da die Korrespondenz englisch geführt werden muß. Ich habe deshalb mit dem Direktor des Central Weather Bureau, Mr. Hunt in Melbourne, verabredet, daß stets einer der dortigen Angestellten auf einige Jahre entsandt werden sollte, der natürlich von der neugegründeten Organisation zu besolden sein würde. Die Kosten des Unternehmens würden mit Assistenten, Inspektionsreisen, Instrumenten und Druckkosten jährlich 9000 Jt betragen, die von den kooperierenden Regierungen und Gesellschaften der Südsee leicht aufzubringen sind; auf Samoa (Deutschland) würden beispielsweise jährlich nur 500 Jt kommen. Falls ich die Unterstützung der Kgl. Ges. d. Wiss. zu Göttingen bekomme, will ich versuchen, alsbald das Kolonialamt für den Plan zu interessieren.
1. Pegeldienst.
Bei Beginn meiner Tätigkeit war der Pegeldienst und der damit verbundene Zuschuß von 1800 Jt dem Observatorium entzogen worden. (Vgl. oben S. 50.) Es war aus mehreren Gründen wichtig, beides wiederzubekommen. Die vom Lotsen vorgenommenen Pegelmessungen erwiesen sich als derartig lückenhaft, daß ich mich entschloß, Pegelregistrierungen einzuführen. In Anbetracht der schwierigen Finanzlage des Observatoriums wurde aus einem alten Hygrographenregistrierwerk und einem von der Firma Spindler und Hoyer in Göttingen bezogenem kleinen Räderwerke zur Übertragung der Vertikalbewegungen einet Schwimmers auf den Zeiger ein einfacher und billiger Registrierpegel (Taf. IX) konstruiert, der seine Zwecke erfüllte. Zur Dämpfung der Meereswellen wurde der Schwimmer in einen aus breiten Tonröhren gebildeten Brunnen gesetzt, der am Boden durch eine Tonröhrenleitung mit dem Meere kommunizierte. Diese auf Kosten des Gouvernements hergestellte Pegeleinrichtung fand zunächst in Mulinuu Aufstellung, um den Apparat besser unter Kontrolle zu haben. Es stellte sich jedoch heraus, daß hier innerhalb des Riffes die Gezeiten gegen den Hafen eine wesentliche Verschiebung erfahren. Deshalb wurde der Registrierpegel im Dezember 1906