Mehrteiliges Werk 
Ergebnisse der Arbeiten des Samoa-Observatoriums der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen
Entstehung
Seite
66
Einzelbild herunterladen
 

66

i -

HERMANN -WAGNER,

5. Luftelcktrische Arbeiten.

Die Luftelektrizität ist das einzige Gebiet, in dem ich das vor der Ausreise aufgestellte Arbeitsprogramm nicht vollständig erfüllt habe, obgleich ich daran gerade am meisten persönlich interessiert war und schon auf der Reise nach Samoa Beobachtungen angestellt hatte. Zuerst, in den so wenig wetterge­schützten Samoahäusern, war es vollständig ausgeschlossen, diese empfindlichen Instrumente gegen Wettereinflüsse, Spinnen und sonstiges Ungeziefer zu schützen und in brauchbarem Zustande zu erhalten. Und auch später im neuen Hause waren die Schwierigkeiten so große, daß es die unausgesetzten Bemühungen eines besonderen Beobachters erfordert hätte, wenn die Messungen der Leitfähigkeit, des Ionengehaltes, der Ionenbeweglichkeit, der Radioaktivität der Luft regel­mäßig hätten durchgeführt werden sollen. Es sind dieses alles neue Unter­suchungen, über deren Beobachtungsmethoden die Ansichten noch auseinander gehen und fortwährende Veränderungen erfahren. Sie gehörten deshalb erst in zweiter Linie in das Arbeitsprogramm dieses Observatoriums.

Die Registrierungen des Potentialgefälles mittels des Benndorfs Re­gist rier-Elektrometers und einer Radiumelektrode (2 mg. Radiumbromid in Glas eingeschmolzen) wurden vom Februar 1906 an mit geringen Lücken durchgeführt. Der Beginn wurde durch Reparaturen am Registrierwerk, die beim Verfertiger in Wien ausgeführt werden mußten, verzögert. Der Apparat hat sich auch in dem ungünstigen Klima nach einigen notwendigen Abände­rungen recht gut bewährt. Nullpunkt des Elektrometers wurde täglich, Empfindlichkeit jeden 2. Tag bestimmt. Die Abhängigkeit der luftelektrischen Messuugen von den meteorologischen Erscheinungen macht die unablässigen Be­obachtungen und Notierungen der letzteren zur Pflicht. Sie wurden deshalb fortlaufend und besonders bei Gewitterböen von mir vorgenommen.

6. Meteorologie.

Den meteorologischen Beobachtungen habe ich nicht die dominie­rende Stellung eingeräumt, in der ich sie vorfand. Die täglich dreimaligen Be­obachtungen sind eine übergroße Belastung des täglichen Dienstes, die in keinem Einklänge zu dem wissenschaftlichen Werte steht. Die vier schon vor­handenen Registrier-Instrumente: Barograph, Thermograph, Hygrograph und registrierender Regenmesser wurden deshalb nur einmal täglich durch Messungen kontroliert, doch wurde die Tageszeit dieser Kontrolmessung variiert, um die Korrektionen der Instrumente bei Maximum und Minimum der täglichen Periode zu bekommen. Die Korrektionen wurden fortlaufend ausgerechnet und ich habe mich oft davon überzeugt, daß diese Methode vollkommen genügt, um eine Ge­nauigkeit des Einzel wertes beim Barographen von mindestens 0,2 mm, beim Thermographen von 0,2°, beim Hygrographen von 3 °/o zu gewährleisten; bei Mittelwerten ist sie natürlich noch besser. Mehr läßt sich bei den kleinen

~ZT~,