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Ergebnisse der Arbeiten des Samoa-Observatoriums der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen
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HERMANN 'WAGNER

Ein fernerer Hauptvorteil dieses Verfahrens war noch eine erhebliche Be­schleunigung in der Rechnungsablage. Das alles gehörte zu den Arbeiten des Herrn Kaufmann.

Dem Enosi war es zur Pflicht gemacht, mit den Mitgliedern seiner Familie den ganzen Observatoriumsplatz in gutem Zustande zu halten. Er besserte die Samoa-Häuser, so oft es nötig wurde, aus und besorgte als Tischler, Bootsbauer, Anstreicher, Glaser, Sattler, Schneider und Schuhmacher alle kleinen Geschäfte, die man von ihm verlangte.

Von täglich wiederkehrenden Arbeiten hatte ich selbst nur wenig über­nommen, um stets für besondere Arbeiten Zeit zu haben und immer sogleich ein- springen zu können, wo es gerade nötig war; bei der großen Anzahl von Re­gistrierapparaten, die im Gange gehalten wurden, kamen sehr häufig kleine Unfälle vor, die sofort beseitigt werden mußten.

So oft jedoch ein neuer Apparat oder neue Beobachtungen in Angriff ge­nommen wurden, übernahm ich den täglichen Dienst, bis ich die Eigenart der Methode erfaßt hatte und alle Mängel überwunden waren, die neuaufgestellten Instru­menten anzuhaften pflegen. Das registrierende Elektrometer von Benndorf habe ich jedoch wegen der in Samoa fast unüberwindlichen Isolationsschwierigkeiten stets selbst bedienen müssen. Bei allem übrigen beschränkte ich mich auf ge­legentliche Kontrollen zu irgend einer passenden Zeit. Hauptsächlich fielen mir alle Messungen und Konstantenbestimmungen der magnetischen Variations- und Beob­achtungsinstrumente sowie des Seismographen zu, ferner alle magnetischen und seismischen Berechnungen, Fertigstellen der Monatsberichte über Erdbeben und die Korrespondenzen. Herr Kaufmann und ich hielten als Bureaustunden die Zeit von 8 bis 12 und 2 bis 4 Uhr inne, doch wurde von ersterem zeitweise die Arbeitszeit von 8 bis 2 bevorzugt. Da ich tagsüber durch Beobachtungen, Kon­trollierungen und mit den andern Beamten gemeinschaftlich zu erledigende Arbeiten sehr in Anspruch genommen war, mußte ich meist die Abendstunden zu Hilfe nehmen.

Bei Erkrankung oder Urlaub eines Beamten wurden die eiligen Geschäfte unter die andern geteilt. Da ich die Erfahrung gemacht hatte, daß kleine Reisen zu Fuß, zu Pferde oder im Boote das Wohlbefinden überraschend günstig beeinflussen und die Arbeitskraft erhöhen, ist bei Urlaubsgesuchen für ein oder einige Tage stets sehr liberal verfahren worden, wenn es sich mit der jeweiligen Arbeit vereinbaren ließ. Längere Krankheiten kamen nur bei Herrn Kaufmann vor. Sonst war der Gesundheitszustand recht zufriedenstellend.

2. Bauliche Veränderungen.

Bei Übernahme des Observatoriums war der äußere Eindruck der eines Samoanerdorfes. Dem Blicke des von Apia aus den Stacheldrahtzaun am Dreh­kreuz Durchschreitenden boten sich nur Samoahütten dar, zuerst die kleinen, recht verfallenen Hütten der samoanischen Arbeiter, dann die etwas besseren,