Mehrteiliges Werk 
Ergebnisse der Arbeiten des Samoa-Observatoriums der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen
Entstehung
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HERMANN WAGNER,

Die Arbeiten in Washington und Cheltenham gaben mir erwünschte Gelegen­heit, mit Herrn Dr. L. A. Bauer über gegenseitige Unterstützung gelegentlich der von ihm beabsichtigten und nunmehr teilweise durchgeführten magnetischen Ver­messung des Stillen Ozeans Vereinbarungen zu treffen.

Die luftelektrischen Messungen wurden auf dem Atlantischen Ozean durch anhaltendes schlechtes Wetter verhindert. Uber Messungen auf dem Stillen Ozean ist ein vorläufiger Bericht bereits veröffentlicht. ')

Am Mittwoch, dem 16. Dezember kam ich in Apia an und übernahm am 1. Januar 1905 die Leitung des Observatoriums, die ich bis zum 31. Januar 1907 behielt.

Bei der Auffassung meiner Aufgabe ging ich davon aus, daß das Observato­rium in der Absicht gegründet ist, aus dem Stillen Ozean exakte Beobachtungen in Seismik, Erdmagnetismus, Luftelektrizität und Meteorologie zu bekommen. Ein Geophysikalisches Observatorium unterscheidet sich wesentlich von einem Geophysikalischen Institute. Letzteres hat die Aufgabe, spezielle, bisher unbe­kannte Gebiete nach Wahl der Beteiligten zu bearbeiten und dabei Beobach­tungen von Observatorien zu verwenden oder, wenn solche noch nicht vorliegen, in die Wege zu leiten. Ein Observatorium hingegen soll solche Beobachtungen durch schematische Tätigkeit sammeln. Seine Aufgabe ist daher, in allen einmal in Angriff genommenen Gebieten eine lückenlose Durchführung von systematischen Beobachtungen mit der höchsterreichbaren Genauigkeit und der peinlichsten Sorgfalt für längere Zeitabschnitte zu erzielen. Aus allen diesen Überlegungen heraus war ich in erster Linie bemüht, solche Beobachtungen einzurichten, die auch an andern Observatorien angestellt werden; erst in zweiter Linie kamen einzelne neue Untersuchungen, die vielleicht mehr aktuelles Interesse, aber als Einzelbeobachtungen weniger wissenschaftlichen Wert haben: Drachenaufstiege und die neuen luftelektrischen Messungen mit ihren noch nicht genügend einge­führten Methoden.

Besonderen Wert legte ich darauf, daß alles, was einmal angefangen war, auch mit Energie durchgeführt wurde.

Der Stand der Dinge bei der Übernahme war folgender: Das Observatorium war an einem für seine Zwecke besonders günstigen Platze errichtet. Die In­strumente waren teils in den von Deutschland gesandten Holzhäusern aufgestellt, teils in Samoa-Häusern untergebracht. Es wurden magnetische, seismische und meteorologische Registrierungen durchgeführt und meteorologische und Zeit-Be­obachtungen angestellt.

Ich konnte daher ohne weiteres mit meinen Arbeiten beginnen, wenngleich ich mit neuen Ideen und Erfahrungen, neuen Kräften und Instrumenten ein­rückend, im Anfänge mannigfache Veränderungen vornahm.

1. Personal, Diensteinteilung, Kassenführung.

Der Schreiber dieses Berichtes hatte als Assistent für Meteorologie in der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin die meteorologischen Arbeiten, als

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1) Nachrichten d. K. Ges. d. Wiss. Math. phys. Kl., 190G. S. 490.