DAS SAMOA-OBSERVATORIUM.
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zu beschaffen waren, begrüßte ich es mit Freuden, daß nun wenigstens Pegelablesungen regelmässig vorgenommen wurden.
8. Beobachtungen mit Drachen.
Schon im Jahre 1903 hatte ich unter Zuziehung des Kapitäns Frölich mit den Vorarbeiten für Drachenaufstiege begonnen. Die von Herrn Professor Köppen besorgten Drachen nebst der Winde waren ausgepackt, zusammengesetzt und, wo erforderlich, ausgebessert worden; die auf Holzrollen gewundenen, verschieden starken Stahldrahtmengen hatte ich sodann auf die Trommel der Winde gewickelt, und die Kegistrierapparate geprüft und berichtigt. Unter Assistenz des Herrn Tobias konnte ich nun die Aufstiege beginnen lassen. Der Kaiserliche Gouverneur entsprach meiner Bitte, mir für die sichere Aufbewahrung des gesamten Drachenapparates das dem Gouvernement gehörige, nahe dem Regierungs- Flaggenmast am Anfang der Halbinsel Mulinuu belegene Benzinhaus zur Verfügung zu stellen, ein für den vorliegenden Zweck seiner Lage und Verschließ- barkeit wegen besonders geeignetes kleines Wellblechgebäude. Zu den Aufstiegen ließ ich dann die Winde nebst den Drachen und dem übrigen Zubehör auf den benachbarten palmenfreien Platz tragen, den einzigen, der überhaupt für diesen Zweck in Frage kam. Da ich selbständig noch keine Aufstiege mit diesen Kastendrachen geleitet hatte, verunglückten sie nicht selten, zumal da mir nicht, wie den in ähnlicher Lage befindlichen Herren in Europa und Amerika, eine zuverlässige weisse Bedienungsmannschaft zu Gebote stand. Abgesehen davon, daß ich mich mit den samoanischen Hülfskräften, denen diese Arbeit völlig fremd war, nur schwer verständigen konnte, waren sie auch, ihrem ganzen Wesen nach, nicht an das bei der Handhabung der Winde unbedingt erforderliche prompte Befolgen und gleichmäßige Arbeiten gewöhnt. Angesichts dieser Sachlage mußte ich, obwohl einige der Aufstiege bis über 100Ü m Höhe ohne erhebliche Unfälle verliefen, doch Bedenken tragen, die nur in der Zweizahl vorhandenen kostbaren Registrierapparate den Drachen anzuvertrauen, sah mich vielmehr genötigt, diese Versuche einzustellen und für eine spätere Zeit aufzuschieben, wo das Observatorium mit einem kräftigeren weißen Personal versehen sein würde.
9. Fortdauer des Observatoriums.
Mein urspiinglich für die Dauer von ®/4 Jahren bemessener Aufenthalt in Samoa nahte sich bereits seinem Ende zu, als mir von Seiten der K. Gesellschaft der Wissenschaften im Juli 1903 die Aufforderung zuging, noch bis zum April des nächsten Jahres zu verbleiben. Ich ging hierauf bereitwillig ein, da auch mir daran gelegen sein mußte, die registrierenden Beobachtungen wenigstens ein volles Jahr hindurch durchzuführen, während sich der Beginn derselben aus den in Obigem dargelegten zwingenden Gründen weit über den Anfangstermin, der
Abhandlungen d. K. Oes. d. Wiss. zu Göttingen. Math.-phys. KI. N. F. Band 7,i. 7