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HERMANN WAGNER,
Meine Bezieliungen zu dem meteorologischen Beobachtungsnetz behielten daher auch weiter ihren gelegentlichen Charakter bei; so waren mir bisweilen einige der von den Beobachtern dem Kais. Gouvernement eingereichten und dort auf bewahrten monatlichen Zusammenstellungen zur Durchsicht zugestellt worden. Ich glaubte daher die lebenskräftige Entwickelung des Netzes nicht zu verzögern, wenn ich dem Herrn Gouverneur, der sich besonders für die Sicherung der Bearbeitung und Veröffentlichung der Beobachtungsergebnisse des von ihm inaugurierten meteorologischen Netzes interessierte, empfahl, auch mit der Regelung dieser beiden wesentlichen Punkte — von denen sich besonders der zweite auf Samoa nicht erledigen liess — noch zu warten.
7. Pegelbeobachtiuigeii.
Anfang 1904 wurde in unmittelbarer Nachbarschaft des Observatoriums der Pegel des Kais. Gouvernements aufgebant, der vorher bei der Lotsenstation an der Spitze von Matautu, dem Oststrande der Bucht von Apia, und dann beim Kaiserlichen Zollamt aufgestellt gewesen war, und dessen Ablesung in den Händen des Herrn Kapitäns Frölich lag. Die Aufstellung am Zollamt — am Westhafen von Apia — hatte sich teils des ziemlich beträchtlichen Seeganges, teils des regen Verkehrs wegen nicht bewährt. Als dann der Kapitän Frölich, bald nachdem er den Pegel nach Mulinuu verlegt hatte, aus dem Gouvernementsdienste ausschied, und ein Ersatzmann schwer zu beschaffen war, übernahm ich vom April 1904 an die Pegelablesungen, einer Aufforderung des Herrn Gouverneurs entsprechend, der dazu eine Unterstützung von monatlich 150 Jt bewilligte. Die Pegelablesungen nahmen täglich 4—6 Stunden in Anspruch, und ich unterwies darin nach einander zwei Herren aus Apia, die indessen beide die Lust daran bald wieder verloren. Unter Aufwendung weiterer 150 Jt aus den Observatoriumsmitteln und um seine Kräfte in den übrigen Tagesstunden für das Observatorium nutzbar machen zu können stellte ich daher noch im April den Herrn Ingenieur Tobias dazu an, der soeben von Savaii, wo er auf meine Veranlassung den Aopo- Vulkan aufgesucht hatte, zurückgekehrt war. Herr Tobias siedelte ganz nach dem Observatorium über, wo ich ihm ein einfaches Samoa-Haus mit Wohn- und Schlafplatz errichten ließ, und widmete sich nun regelmässig den um die Stunden der Hoch- und Niedrigwasserzeiten fälligen Pegelablesungen. Diese waren bestimmt, einen genaueren Aufschluß über die bisher ziemlich oberflächlich bekannten Gezeiten-Verhältnisse von Apia zu geben. Da Apia in den alljährlich in Washington erscheinenden internationalen Gezeitentafeln als Referenzplatz für den größten Teil der Südsee auftritt, hatte ich es schon in der ersten Zeit meiner Anwesenheit auf Samoa — besonders als ich von dem Herausgeber eines samo- anischen Kalenders um die Vorausberechnung der Hochwasser-Zeiten für Apia angegangen wurde — empfinden müßen, daß die Flutkonstanten für diesen Hafen bisher nur ungenau bestimmt worden sind und daß es also wünschenswert ist, dort einen registrierenden Pegel aufzustellen; da Mittel für einen solchen nicht