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Der deutsche Kolonialgedanke und sein Werden im 19. Jahrhundert / von Theo Sommerlad
Entstehung
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Man sicht hier Geschichte wachsen. Friedrich List.

Geschichtliche Ereignisse treten niemals unvermittelt als Überraschungen ein. Sie sind immer gereift im Werdegang der Zeiten, das heißt durch Gedanken, Wollungen und Taten einzelner Menschen vorbereitet. Deshalb wird das Ver­ständnis des Erreichten stets nur der Erkenntnis des Gedachten und Gewollten entkeimen können. Und darum bleibt es die anziehendste, ja vielleicht die wichtigste und eigentlichste Auf­gabe des Historikers darzustellen, wie die großen Wendungen des geschichtlichen Lebens vorbereitet worden sind. An den Vorgängen des Wachstums und der Reife liegt ihm ebenso viel wie an der Ernte, am Wollen gleichviel wie am Voll­bringen, am Werden vielleicht mehr noch als am Gewordenen.

Dergleichen allgemeingeschichtliche Erwägungen regen sich auch in dem Forscher, der den Eintritt des jungen Deutschen Reiches in die Reihe der überozeanischen Kolonialmächte betrachtend beobachtet. Denn nicht alsdas Urbild politischer Momentphotographie, alsdie Ausgeburt einer vorüber­gehenden Anwandlung, 1 ) sondern als die Konsequenz und das Ergebnis einer anhaltenden unaufhörlichen Entwicklung, die schon längst vor der Begründung des deutschen Einheits­staates einseftte und den Erwerb von Kolonien erstrebte, muß ihm dieses neueste Kapitel deutscher Kolonialgeschichte erscheinen. Zumal durch die Geschichte des neunzehnten

) Dies die Worte von Ludwig Bamberger, Gesammelte Schriften 1897 V, 359 S. auch die Äußerung von Morley Roberts in der Londoner Zeitschrift To-Morrow 5,140 f.das ganze Kolonialfleber der Deutschen sei durch den Monarchismus künstlich hervorgerufen worden. Gegen diese Äußerungen wandte sich mein Aufsatjdie Deutschen als Kolonial­volk in Westermanns Monatsheften 1909nr, 634 S. 546 ff.