Vorwort.
Die gewaltige Gegenwart, in der über die Zukunft des überseeischen Kolonialbesitzes unseres Reiches auf den Schlachtfeldern des großen Welt- und Kolonialkrieges die Entscheidung fällt, rechtfertigt die Veröffentlichung der folgenden Abhandlung. Sie ist aus einem Vortrag erwachsen, den ich in der Kolonialakademie zu Halle gehalten habe und in dem ich mich bemühte, eine Lücke zu schließen, die der Forscher in den Darstellungen der neueren deutschen Kolonialgeschichte und Kolonialpolitik immer schmerzlich genug empfindet. Ihr Zweck ist der geschichtliche Nachweis, daß unser Volk ein echtes Kolonialvolk von Haus aus ist und geblieben ist und daß der Erwerb unserer überseeischen Schulzgebiete lediglich die Verwirklichung einer tief im deutschen Volk eingewurzelten kolonialen Sehnsucht und einer durch die allgemeinen Wirtschafts- und Kulturverhältnisse des 19. Jahrhunderts geweckten überwältigenden Volksbewegung gewesen ist. Auch ein Friedensschluß, der uns unseren Kolonialbesitz vorenthalten würde, vermöchte nun und nimmer diesen allmächtigen unversiegbaren deutschen Volkstrieb zu unterbinden. Die Hoffnung aller, deren Blicke für das Verständnis deutscher Eigenart geschärft sind, bleibt aber lebendig, daß unsere Heerestaten und eine ihnen entsprechende Einsicht der Staatskunst dem deutschen Volke ein Kolonialland gewinnen, das ihm die dauernde Weltgeltung verbürgt, auf die es Anspruch hat. Es geht um ein herrliches Erbe unserer Volksgeschichte, es geht um das Erbe all der Tausende, die im 19. Jahrhundert den deutschen Kolonialgedanken gehütet, gefestigt und mit dem Einsatz ihres Lebens verteidigt haben!
Halle a. d. S. Am 24. April 1918,
dem 54. Geburtstag des deutschen Kolonialreiches.
Theo Sommerlad.