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Die Haussklaverei in Ostafrika : geschichtlich und politisch dargestellt / von Fritz Weidner
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Zu den erwähnten Gesichtspunkten tritt noch die Überlegung hinzu, daß eine vernünftige Regierung, wenn sie ihre Autorität erhalten will, nichts befehlen darf, was sie nicht auch durchführen kann. Lassen sich in einer jungen Kolonie mit sehr extensiver Verwaltung gesetzgeberische Maßnahmen schon beim besten Beamtenstand nicht durchsetzen, wie­vielmehr mußte das in Zanzibar der Fall sein, wo alle Vorschriften gegen den geheimen Widerstand der arabischen Beamten, die ja selbst am meisten geschädigt wurden, mit diesen auszuführen waren.

II. Kritik der Sklavenpolitik.

I. Allgemeine Grundsätze.

Aus der Bedeutung, die die Sklaverei zu der Zeit besaß, als wir uns in sie einmischten, muß der Kolonialpolitiker die Gesichtspunkte für die Behandlung der Sklavenfrage ableiten. In der Sklaverei nur Kultur­widrigkeiten zu erblicken, ist, wie die vorstehenden Erörterungen er­gaben, nicht gerecht. Es liegen vielmehr auch positive Werte in ihr. Diese sind bei der Sklavenpolitik gebührend zu berücksichtigen, und man darf die Sklaverei nicht eher beseitigen, ehe nicht neue zum Er satz der alten geschaffen sind.

Dort, wo die Sklaven als ein Mittel zur Kapitalsbildung dienten, war daher zuvor Geld als Ersatz und Gelegenheit zu seiner produktiven Verwendung zu bieten. In zweiter Linie mußte man zu der Sklaverei als Arbeitsverfassung Stellung nehmen. Es handelte sich dabei darum, entweder die Kulturen, die auf der Sklavenarbeit beiuhen, fallen zu lassen, oder auf irgendeine W eise die ausfallenden Arbeitskräfte zu ersetzen.

Außerdem ist für die bisherigen Sklaven selbst Sorge zu tragen, damit sie den Übergang vom Zustand patriarchalischer Bevormundung zur Selbständigkeit ohne Schaden vollziehen können. Sie müssen lang­sam zum Erwerb und zur Verwendung von wirtschaftlichen Gütern er­zogen werden. Dazu gehört vor allem eine psychische Veränderung im Wesen des Eingeborenen, die nur durch langsame Schulung weniger theo­retischer als vielmehr praktischer Art erreichbar ist. Der Sklave muß an der Realität der Dinge und im Verkehr mit Standesgenossen und Euro­päern lernen, was es heißt, für sich selbst und auch noch für eine Familie sorgen. Er muß dann auch als Freier dieselbe Arbeitsverpflichtung be­halten, die er als Sklave gehabt hat, einmal um der Arbeit selbst willen, dann aber, weil sich sonst das Sprichwort an ihm bewahrheiten würde, daß Müßiggang aller Laster Anfang ist.