Einleitung.
I. Politische Geschichte Ostafrikas.
Der Schauplatz unserer Abhandlung ist nicht immer in der jetzigen Weise in drei verschiedene Staatsgebilde zerteilt gewesen; vor dem Beginn der europäischen Kolonisation war er, abgesehen von dem mehr oder weniger unbekannten Inneren des Kontinents, auch politisch ein Ganzes.
So weit unsere Kenntnisse reichen, ist die Ostküste Afrikas durch fremde Völker beherrscht worden, zunächst von denen der gegenüberliegenden asiatischen Küste, dann von uns Europäern. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts richteten Araber ihre Herrschaft dort auf, nachdem vorher Perser aus Schiras und vielleicht sogar Phönizier oder Südsemiten dorthin gekommen waren. Mit der Eroberung der Meere der südlichen Halbkugel durch die Portugiesen fiel diesen auch das Gestade Ostafrikas zu (1498), dessen nördlichen Teil, auf den sich diese Erörterungen beziehen, sie aber 1698, bzw. 1733 wieder an die Araber verloren. Das seit 1744 in Oman regierende Sultansgeschlecht der Abu Said betrachtete die Ostküste Afrikas mit den davor liegenden Inseln als eine Art Nebenland. Zu weltpolitischer Bedeutung kam dieses aber erst, als im Jahre 1840 der Sultan S. 1 ) Said seine Residenz von Maskat nach Zanzibar verlegte. Sein 1856 erfolgter Tod brachte die Scheidung der beiden durch den Ozean getrennten Staatshälften, indem ein älterer Sohn Saids die Herrschaft in Oman, der jüngere, Majid, die in Zanzibar erhielt (1856—1870). Die zum Teil internationalen Schwierigkeiten, die aus dem Thronstreit entsprangen, in Verbindung mit der Nebenbuhlerschaft Englands und Frankreichs im Indischen Ozean führten zu dem englisch-französischen
*) Verzeichnis der Abkürzungen S. XVII.