Am Sonntag erschienen Or. Nachtigall und seine Begleiter in voller üniform in der Kirche. Auch unser Kapitän Joseph hatte die ihm von Lerrn Lüderitz geschenkte ülanenuniform an; nur den Säbel hatte er zu Lause gelassen.
Tags darauf sollten nun die Verhandlungen beginnen. Vorher hatte der Lerr Generalkonsul ein aus dreizehn Artikeln bestehendes Schriftstück abgefaßt mit der Überschrift: Schutz- und Freundschasts- vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Bethanien.
So kam denn der 28. Oktober heran, ein Tag, der in der Geschichte unserer Station Bethanien immer denkwürdig bleiben wird. Gegen 9 Ahr ließ der Kapitän die Lerren ersuchen, zu der Ratsund Volksversammlung in seinem Lause zu kommen. Ich begleitete sie als Zeuge und Dolmetsch. In dem geräumigen Saale fanden wir die Leute schon versammelt, den Kapitän auf einem Lehnstuhl sitzend, unter den Bildern des Kaisers und des Kronprinzen, dazwischen die Photographie des Lerrn Lüderitz. An der Wand gegenüber, wo wir Platz nahmen, befand sich ein Oldruckbild vr. Martin Luthers. Nachdem wir uns gesetzt hatten, ergriff der Kapitän das Wort und erklärte, daß er nach Überlegung mit seinem Rate willens sei, mit dem Deutschen Reiche einen Schutz- und Freundschaftsvertrag abzuschließen. So bitte er denn Seine Majestät den Deutschen Kaiser, über das von ihm beherrschte Gebiet die Schutzherrschaft zu übernehmen. Darauf sicherte ihm der Generalkonsul den Schutz des Deutschen Kaisers zu. Als äußeres Zeichen dieses Schutzverhältnisses wurde am anderen Tage vor dem Lause des Kapitäns feierlich die deutsche Flagge gehißt, wobei Or. Nachtigall das Gebiet von Bethanien für deutsches Schutzgebiet erklärte.
Aus Külz, Deutsch-Südafrika im 25. Jahre deutscher Schutzherrschaft.
7. Lüderitzbucht und die Diamantenfelder.
Lüderitzbucht (siehe Tafel 3) ist die älteste deutsche Ortschaft in Südwestafrika, denn seine Gründung erfolgte gleichzeitig mit der Erklärung der Schutzherrschast des Reiches im Jahre 1884. Erst sechs Jahre danach wurde der Grund zu Windhuk gelegt, und noch später entstand Swakopmund. Allerdings waren jene Anfänge unter Lüderitz mehr als bescheiden, und bis zum Ausbruch des Lottentottenauf- standes im Lerbst 1904 standen an der Bucht nur wenige Läufer,