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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
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Zweiundzwanzigstes Kapitel. Europa.

Der lebhafte Aufschwung der Industrie ist seit Einführung der Schutzzölle vom Jahre 1887 zu Tage getreten und wird auch jetzt noch durch diese getragen. Anfänglich galt es, den heimischen Markt zu ge­winnen, vgl. Seite 266. Als dies geschehen war, sah man sich genötigt, sich mit aller Kraft auf die Ausfuhr zu werfen. Günstig ist hierfür das Vorhandensein billiger Arbeitskräfte sowie der folgerichtig durchgeführte Geschäftsgebrauch der Spezialisierung und Gleichmässigkeit in der Her­stellung der Waren. Trotzdem trat vor wenigen Jahren eine schwere Krisis ein, die man namentlich der Überproduktion und dem Umstande zuschrieb, dass die Waren vielfach nur mit Schaden abgesetzt werden konnten. Neuerdings aber hat sich in diesen Verhältnissen eine Besserung gezeigt.

Die Hauptabsatzgebiete der italienischen Fabrikate, wo sich ihr Wettbewerb teilweise auch für Deutschland fühlbar macht, sind Süd­amerika, die europäische und asiatische Türkei, die Osthälfte von Nord­afrika, Mittelamerika und Rumänien. In Südamerika ist namentlich Argentinien zu nennen; in geringerem Masse kommen Uruguay, Brasilien, Chile und Peru in Betracht. Von der Ausfuhr des Jahres 1899, die ins­gesamt 221 006 dz ausmachte, gingen nach Mittel- und Südamerika 92286, nach der Türkei 65 648, nach Nordafrika 14084 dz.

Über Malta vgl. Seite 97.

Q. Die Balkanhalbinsel.

Griechenland ist ohne Zweifel dasjenige europäische Land, in dem man zuerst Kenntnis von der Baumwolle hatte, denn Herodot spricht von ihr in einer Weise, die es sicher macht, dass er sie meint, auch wenn er ihr keinen besonderen Namen giebt, vgl. Seite 12. Die erste Erwähnung der indischen Bezeichnung dafür alsCarbasina findet sich in einem Drama des Statius Caecilius, vgl. Seite 14. Dort war auch die Rede davon, dass im zweiten Jahrhundert n. Chr. im Peloponnes Anbau von Baumwolle stattfand. Ob er sich hier im Laufe der Zeit behauptet hat oder erloschen und dann irgendwann wieder eingeführt worden ist, lässt sich nicht entscheiden, jedenfalls aber trifft man ihn auch jetzt noch an einigen Stellen der Halbinsel. Die Staude, von den Eingeborenen Bombaki genannt, gedeiht dürftig und trägt nur wenige kleine Kapseln, die kurze Fasern liefern. Eine ansehnliche Ausdehnung hat die Gossypium- kultur in Griechenland erst seit dem amerikanischen Bürgerkriege erfahren, namentlich in der Niederung des Kopais-Sees bei Livadia und in der Tiefebene des Spercheios, vgl. Fig. 190.