ZWEIUNDZWANZIGSTES KAPITEL.
Das übrige Europa.
1. Österreich-Ungarn.
SSL uf dem Siegeszuge, den die Baumwolle im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts über das festländische Europa nahm, kam sie, wie die „Statistik der österreichischen Baumwollindustrie“ (Wien 1895) mitteilt, auch nach Österreich, ohne jedoch hier eine besonders freundliche Aufnahme zu finden. Flachs und Hanf wollten dem fremden Eindringling ihre Domäne keineswegs räumen und wurden darin von dem damals herrschenden Merkantilsystem lebhaft unterstützt. Trotzdem wusste sich der neue Rohstoff allmählich einzuführen und dauernd zu behaupten. Gerade die Leinweberei verwendete ihn mit Vorliebe zu ihren Erzeugnissen, und aus einzelnen erhaltenen Zunftstatuten des nördlichen Böhmens geht deutlich hervor, dass Baumwollgewebe wie „Barchente“ und „Mesulane“ (Musseline) eine immer stärkere Verbreitung in der handwerksmässig betriebenen Weberei erlangten.
Zur Industrie reifte die Baumwollverarbeitung aber erst, als sich die im Jahre 1719 errichtete „Kaiserlich privilegierte Orientalische Compagnie“ des Orienthandels bemächtigte und Baumwolle als Rückfracht aus Smyrna, Cypern, Accon und Saloniki zu bringen begann, namentlich nach Wien, das von nun an den Baumwollmarkt nicht nur für die österreichischen Länder bildete, sondern auch der Stützpunkt eines weit verzweigten