Druckschrift 
Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
Entstehung
Seite
705
Einzelbild herunterladen
 

Italien.

Der in den zwei letzten Jahren eingetretene Rückgang der Rein­ausfuhr hängt mit dem unglücklichen Kriege gegen die Union und dem dadurch herbeigeführten Verluste der westindischen und ostasiatischen Kolonien zusammen, die bis dahin mit zu den besten Abnehmern spa­nischer Baumwollwaren zählten.

In Portugal ist die Baumwollindustrie von verhältnismässig jungem Ursprünge, denn noch in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde der grösste Teil des Bedarfs von England aus gedeckt. Eine leb­haftere Entwicklung der Eigenerzeugung hat seit der Mitte der achtziger Jahre stattgefunden, denn von 1887 bis 1899 hat sich die Einfuhr von Rohstoff von 5 auf 15,67 Mill. Kilo gesteigert. Die meisten Fabriken, die 1894 über 160000 Spindeln verfügten, befinden sich in Lissabon und Oporto. Wenn sich nun auch im Laufe des genannten Zeitraumes die Einfuhr fremder Fabrikate nicht wesentlich vermindert hat 1887 3330, 1899 3292 Contos de reis, so ist dagegen die Ausfuhr erheblich ge­stiegen; 1887 wertete sie 94, 1899 aber 2624 Contos de reis. Portugal ist also nicht weit mehr davon entfernt, dass sich Ein- und Ausfuhr von Fabrikaten die Wage halten. Der Hauptabnehmer ist Brasilien, nächst diesem folgen die afrikanischen Kolonien.

8. Italien.

Dass die Baumwolle und ihre Verwendung bereits den alten Römern bekannt war, wurde schon an einer früheren Stelle ausgeführt, vgl. S. 15, ebenso, dass zur Zeit der Sarazenen, vgl. Seite 16, wie durch die Kreuz­züge, vgl. Seite 159, Rohbaumwolle und Fabrikate daraus nach Italien kamen und dass auch die Pflanze angebaut wurde. In Sizilien, in Unter­italien und Malta gab es ziemlich ausgedehnte Anpflanzungen; diese lieferten ein Erzeugnis von guter Beschaffenheit, das teils an Ort und Stelle verarbeitet, teils ausgeführt wurde. Allenthalben waren Mailänder und venetianische Barchente und sonstige Baumwollzeuge bekannt und geschätzt. Nach und nach hatte sich der Anbau bis zum 43. Breiten­grade ausgedehnt und im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts besonders unter dem Einfluss der von Napoleon I. gegen England ergriffenen Mass- regeln fand er nicht nur im mittleren und südlichen Italien, sondern auch in den nördlichen Provinzen wie Bologna, Ferrara, Verona, Mailand und Treviso statt, ging aber bald wieder zurück und beschränkte sich im Jahre 1811 auf die toskanischen Maremnen, Sardinien, Sizilien, die

45

BBIIIIiii. .illli.

Trii