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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
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Zweiundzwanzigstes Kapitel. Europa.

sich hat aber Havre keinen Rückgang durchgemacht, vielmehr haben sich seine Zufuhren im Laufe des letzten Jahrzehntes beinahe verdoppelt; sie betrugen 1888 493806, 1899 893545 und 1900 629440 Ballen. Im letzten Jahre kamen 589430 Ballen aus der Union, 13164 aus Indien, 2043 aus Südamerika lund 24803 aus andern Ländern. Die Ablieferungen be­zifferten sich auf 773979, die Vorräte am 31. Dezember 1900 auf 119 845 Ballen. Über die Handelsgebräuche vgl. Seite 196.

Der zweitwichtigste Einfuhrhafen, aber hinter Havre weit zurück­stehend, Marseille, war früher viel bedeutender als jetzt, denn 1876 empfing es 126245 Ballen, 1899 aber nur 58890 Ballen. Immerhin stellt es insofern eine Art Spezialität dar, als es seine Bezüge vorzugsweise aus Ägypten, Indien und den östlichen Mittelmeerländern macht. 1899 erhielt es 38129 Ballen aus Ägypten, 17963 aus Indien, 3160 aus Amerika, 3091 aus Tarsus, 5692 aus Smyrna und 742 aus Cypern.

Der Gesamthandel Frankreichs mit Rohstoff und Fabrikaten, vgl. auch Seite 165, 172, 184, 254, wertete 1899 434,3 Mill. Frcs., davon ent­fielen auf die Einfuhr 229,2, auf die Ausfuhr 205,1 Mill. Frcs. Der Import an Fabrikaten (Garn und Ganzsachen) belief sich auf 51,6 Mill. Frcs., der Export auf 180,6 Mill. Frcs., es blieb also ein Überschuss zu gunsten der Ausfuhr von 129,0 Mill. Frcs. Von der Einfuhr kommen die Garne hauptsächlich aus Grossbritannien, die Gewebe aus Deutschland, Gross­britannien und der Schweiz; Eisass und Baden liefern Spezialartikel, die in Frankreich nicht hergestellt werden. Die französische Ausfuhr geht vorzugsweise nach Algerien, Madagaskar und den französischen Be­sitzungen in Asien. 1900 versendete es nach Algerien 9,78, nach Mada­gaskar 4,34, nach Indochina 2,54 und nach dem Senegal 1,78, in alle übrigen Länder aber 3,06 Mill. Kilo Webwaren.

Über die Einfuhr an Baumwollsaat vgl. Seite 157.

4. Belgien und Niederlande.

In den Niederlanden, besonders in dem heutigen Belgien, hatte Handel und Verarbeitung von Baumwolle bereits ausgangs des Mittel­alters festen Fuss gefasst, vgl. Seite 161. Es sei daran erinnert, dass im vierzehnten Jahrhundert Brügge der erste Handelsplatz Nordeuropas war und dass, nachdem es diese Stellung an Antwerpen abgetreten hatte, gegen Ende des sechszehnten Jahrhunderts eine Anzahl Antwerpener Weber infolge der spanischen Gewaltherrschaft sich nach der Grafschaft Lancashire