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Zweiundzwanzigstes Kapitel. Europa.
nach in Triest die erste Rolle, obwohl ihre Einfuhr in den letzten Jahren abgenommen hat. In der letzten Zeit ist sie infolge kleinerer Ernten, veranlasst durch Dürre, im Preise gestiegen. Von Triest aus pflegen die im Küstenlande und Krain befindlichen Spinnereien zu Haidenschaft, Monfalcone, Görz, Laibach, Neumarkl, Pragwald, Littai, sowie die benachbarten Gegenden Italiens ihren Bedarf zu beziehen.
Ein bedeutender Einfuhrartikel ist das amerikanische Baumwoll- samenöl, welches als Ersatz und Beimischung von Olivenöl dient, da es wohlfeiler und wohlschmeckender ist als geringes Olivenöl. 1899 betrug die Einfuhr 162000 dz.
Dem Werte nach stellte der gesamte Baumwollhandel Österreich- Ungarns 1900 eine Summe von 216,33 Mill. Kronen dar, von der 190,91 auf die Einfuhr und 25,42 auf die Ausfuhr entfielen. Die Einfuhrposten waren 144,16 für Rohbaumwolle, 8,79 für Abfall, Watte u. a., 25,51 für Garn und 12,45 für Gewebe. Von der Ausfuhr kamen 5,77 auf Rohwolle, Abfälle, Watte u. a., 4,35 auf Garn und 15,30 auf Gewebe. Der Garnhandel zeigt also ein ansehnliches Minus, der Gewebehandel ein kleines Plus. Die österreichische Ausfuhr geht vorwiegend nach der Balkanhalbinsel und nach dem Orient, wo sie neuerdings aber an manchen Stellen sich scharf gegen den italienischen Wettbewerb zu wehren hat.
2. Die Schweiz.
Die Baumwollindustrie erstreckt sich, nach A. Furrer, heute vornehmlich auf die nordöstlichen Kantone: St. Gallen, Appenzell, Thurgau, Glarus, Zürich, Aargau, und bildet daselbst neben der Landwirtschaft und Viehzucht einen Haupterwerbszweig der Bevölkerung, ln den Kantonen Genf und Neuenburg, wo ein grosser und schöner Zweig zuerst Fuss gefasst hatte, ist diese Industrie heute gänzlich erloschen, nämlich die nach der Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) von französischen Emigranten dort eingeführte Indiennemanufaktur, die sich von da aus nach und nach auch in Freiburg, Bern, Basel, Solothurn, Aargau verbreitet und im achtzehnten Jahrhundert zu grosser Blüte und Berühmtheit entfaltet hatte. Die schweizerische Baumwollindustrie im engern Sinne umfasst beinahe sämtliche Zweige der Spinnerei, Zwirnerei und Weberei; zum grossen Teil gehören ihr ferner die Bleicherei, Färberei, Appretur, Druckerei, Stickerei, Wirkerei etc. an.