Amerika ohne die Union.
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Unterjacken, Strümpfe und Bettdecken hergestellt. Auch Färbereien stehen in Blüte, wenngleich ihnen die hohen Zölle auf Chemikalien u. s. w. beträchtliche Hemmnisse bereiten. Mit dem Bedrucken der Stoffe hat man begonnen; die wichtigste Druckerei befindet sich in Bangü bei Rio de Janeiro, eine andere in Sorocaba im Staate Säo Paulo. Die hergestellten Erzeugnisse sind in erster Linie für die ärmeren Teile der Bevölkerung bestimmt, sie sind verhältnismässig billig und haltbar.
Die in den Fabriken verwendeten Spinnerei- und Webemaschinen werden meistens aus Grossbritannien bezogen. Die Betriebskraft ist bei zwei Drittel der Anlagen Dampf, während ein Drittel durch Wasserkraft bewegt wird, die bei der gebirgigen Formation des Landes und den häufigen Niederschlägen in den höher gelegenen Bezirken sehr ergiebig ist und infolge des warmen Klimas auch im Winter keinen Störungen unterliegt. Die leitenden Stellen sind in den Fabriken meistens von Engländern, Deutschen oder Schweizern besetzt; die Arbeiter setzen sich aus den verschiedensten Nationalitäten zusammen. Eine Ausfuhr der \^ebewaren nach dem Auslande findet bisher noch nicht statt; sie haben jedoch ihr Absatzgebiet in allen Staaten Brasiliens, die wiederum in Rio de Janeiro durch Agenten vertreten sind.
Der Jahresbedarf Brasiliens an fremden Baumwollwaren ist leider nicht bekannt, da die Handelsstatistik durchaus mangelhaft geführt wird. Man ist also auf die Angaben der Staaten angewiesen, die die Einfuhr besorgen. Danach bezog Brasilien aus Grossbritannien 1894 Fabrikate im Werte von 69,28, 1898 für 58,80 Mill. Mk. Über die Bezüge aus der Union vgl. Seite 474.
6. Peru.
Im ehemaligen Inkareiche war sowohl der Anbau als auch die Verarbeitung der Baumwolle hochentwickelt. In den warmen Küstengegenden wurde die Pflanze in beträchtlicher Ausdehnung gezogen, und die Kleidungsstücke der Einwohner waren hier fast ausschliesslich aus diesem Rohstoffe gefertigt. Nach der Farbe der in den alten Gräbern gemachten Gewebe zu schliessen, baute man damals hauptsächlich die braune Art. Über die Leistungen der alten Peruaner in der Spinnerei und Weberei ist auf Seite 209 ff. einiges Nähere mitgeteilt worden. Wenn auch jene hohe Kunstfertigkeit bald erlosch, so blieb doch der Anbau bestehen, diente aber bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts lediglich dem