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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
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Amerika ohne die Union.

vorzugsweise zur Bekleidung und häuslichen Einrichtung verwendet werden. Cuba hatte im Jahre 1896 einen Einfuhrwert von fast 24 Mill. Mark, der damals hauptsächlich Grossbritannien und Spanien zu gute kam; Deutschland lieferte nur wenig. An Stelle Spaniens ist seitdem die Union getreten, mit der England nun um den Vorrang ringen muss. Portoriko empfing in demselben Jahre für rund 8 Mill. Mk. fremde Baumwollwaren, das britische Westindien durchschnittlich für 10 Mill. Mark, wohl ausschliesslich von Grossbritannien, die dänischen Inseln im Jahresmittel für 0,35 Mill. Mk., die beiden Republiken auf San Domingo für rund 3,5 Mill. Mk. Mit Einrechnung der französischen und hollän­dischen Besitzungen wird man also den Jahreswert der von Westindien verbrauchten ausländischen Baumwollwaren auf 50 Mill. Mk. veran­schlagen können. Über die Einfuhr der Union nach Westindien vgl. Seite 474.

5. Brasilien.

Nach den übereinstimmenden Berichten der Quellenschriften ist die Baumwollstaude in Brasilien einheimisch und, wenn sie die Eingeborenen auch nicht anpflanzten, so brauchten sie die Faser doch zu verschiedenen Zwecken (vgl. S. 27). Durch die europäischen Kolonisten wurde dann der Anbau eingeführt, der sich gegen Ende des siebzehnten Jahr­hunderts über das ganze Land ausgebreitet hatte und ansehnliche Mengen für die Ausfuhr lieferte, vgl.

Seite 162 und 169. Ein beträchtlicher Aufschwung fand während des amerikanischen Bürgerkrieges statt und dauerte bis in die siebziger Jahre fort, wo die durchschnittliche Jahres­ausfuhr 690000 brasilianische Ballen = 108,8 Mill. Pfd. ausmachte. Seit­dem ging sie bedeutend zurück, aber das lässt nicht unbedingt auf eine Verminderung des Anbaues schliessen, da neuerdings viel von dem er­zeugten Rohstoff im Lande selbst verarbeitet wird.

Jedenfalls ist Brasilien nach Bodenbeschaffenheit und Klima in aus­gezeichneter Weise für den Anbau der Baumwolle geeignet und könnte gegebenen Falls ungeheure Mengen davon hervorbringen, wenn sich sach­verständige und kapitalkräftige Unternehmer mit der Sache beschäftigen und sich die namentlich in den Vereinigten Staaten gemachten Erfahrungen und Fortschritte zu nutze machen würden. Auch dann würde allerdings die ausserordentliche Vormachtstellung der Union ein schwer zu besiegendes

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Fig. 210. Samenkern mit Fasern der Sea Island.