590 Achtzehntes Kapitel. Die übrigen aussereuropäischen Länder.
diesem Industriezweige. Während er sich im Norden bis nach Mursuk und Rhät, ja selbst bis Tripoli verbreitet, erreicht er im Westen nicht nur Timbuktu, sondern selbst die Küsten des atlantischen Ozeans; gegen Osten erstreckt er sich über ganz Bornü, obwohl er dort mit der eigenen Manufaktur der Eingeborenen in Berührung kommt. Nach Timbuktu wird alle dort getragene Kleidung besserer Qualität aus Kanö eingeführt, wenn sie nicht aus englischem Kaliko besteht. In welch’ hohem Begehr die Baumwollwaren von Kanö in Timbuktu stehen, kann man aus dem ungeheuren Umweg erkennen, den die Ware nimmt, um den Gefahren der direkten Strasse von Kanö nach Timbuktu zu entgehen. Dieser Umweg führt nämlich regelmässig über Rhät und selbst Ghadames mit einem ganz scharfen Winkel von hier nach Tauät und, nun erst gen Süden abbiegend, auf Araüan, den hauptsächlichsten Markt für diese Ware, und auf Timbuktu zu. Die Ausfuhr von gefärbten Baumwollwaren aus Kanö nach Timbuktu beträgt, auf das geringste angeschlagen, jedenfalls 300 Kamelladungen zum Werte von 60 Mill. Kurdi nach dem Preise von Kanö. Dabei ist zu bedenken, dass in Kanö eine Familie, alles in allem genommen, mit 60000 Kurdi jährlich sehr angenehm leben kann.
4. Westafrika.
ln Senegambien ist die Baumwollpflanze überall zu finden, wenn auch nicht so häufig, wie manche Reisebeschreibungen es glauben machen, denn ihre Verfasser haben eben die Fasern gewisser Bäume der Gattungen Bombax und Eriodendron mit denen der Gossypiumarten verwechselt. Immerhin aber wird die Pflanze seit unvordenklichen Zeiten angebaut, wie z. B. in den Landschaften Cayor, Walo, Futa und Galam, namentlich aber in Bondu, wo die Eingeborenen aus reiner Baumwolle wie aus einer Mischung von Baumwolle und Seide sehr schöne Lendenschurze herzustellen verstehen, die sog. „pagnes Sor“. Während des amerikanischen Bürgerkrieges suchte man in Senegambien den Anbau zu erweitern und legte Pflanzungen an, z. B. bei den Serer, bei Dakar und an der Mündung des Taouey in den Senegal; man begann auch fremde Sorten einzubürgern, aber es hat sich gezeigt, dass nur die von den Eingeborenen kultivierten Arten einen lohnenden Ertrag abwerfen. Die einheimischen Namen für die verschiedenen vorkommenden Sorten sind Toubab, Ndärgo, Möho und N’Guine. Seit dem Ende des amerikanischen Krieges ist eher ein Rückschritt in Senegambien zu verzeichnen; dasselbe gilt von der