584 Achtzehntes Kapitel. Die übrigen aussereuropäischen Länder.
und die Tripolitaner konnten nur noch mit Kanem, Kano und Wadäi Handel treiben, der indes nicht sehr belangreich war. Vor etwa vier Jahren versuchte indes Rabah, der sich von allen Seiten isoliert sah, durch Sendlinge tripolitanische Geschäftsleute zur Wiederanknüpfung von Handelsverbindungen in seinem Gebiete zu veranlassen. Ein Jahr später machten sich sieben Händler nach Bornü auf und wurden von Rabah freundlich empfangen. Die Folge war die Vermehrung der Ausfuhr nach dem Sudan, deren Wert in der That von 1897/1899 um das Doppelte stieg; bei den Geweben, die den Hauptgegenstand der Einfuhr bilden, fand eine Zunahme von 0,69 auf 1,60 Milk Frcs. statt.
Für die Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Tripolis und Innerafrika ist der Mangel an geeigneten Verkehrsmitteln und das nur vereinzelte Vorkommen von Wasser ein grosses Hindernis. Das einzige Beförderungsmittel bilden Kamele, die teuer sind, und von denen zudem eine grössere Zahl als Reserve für die unterwegs eingehenden Tiere mitgenommen werden muss. Ausserdem kommt die lange Dauer der Beförderung in Betracht. Die Karawanenreise von Tripoli über Bengasi und Kufra nach Wadai nimmt 95 Tage in Anspruch; von Tripoli über Ghat und Air nach Kano braucht man 137 Tage, von Tripoli endlich über Mursuk nach Bornü 143 Tage, wobei allerdings 45 Tage Aufenthalt unterwegs mitzurechnen sind.
3. Der Sudan.
Der Sudan ist zweifellos dasjenige Gebiet des ausserägyptischen Afrika, in dem der Baumwollbau die grösste Ausdehnung und eine gewisse Blüte zeigt. Betrachten wir den Sudan von Osten nach Westen, so ist in Darfor, nach Nachtigal, die Kultur der Baumwolle über das ganze Land verbreitet, wenn auch im Norden und Süden der Boden vielfach zu dürftig ist, um die Stauden gedeihen zu lassen. Zahlreiche Felder davon traf der Reisende in der Nähe des Wadi Bir Deqiq und bei dem Flüsschen Lobbode. In Dar Runga ist es besonders das Thal der Butäha, wo man den Anbau emsig betreibt, in Wadäi fand ihn Nachtigal mehrfach, z. B. in Dar Said und im Gebiete der Köndogo („Auläd Mese“). Zu den Einkünften des Sultans gehört u. a. auch Baumwolle, die teils roh geliefert, teils in gesponnenen Fäden oder in Geweben entrichtet wird; diese Steuer lastet auf jedem Manne, sei er verheiratet oder nicht. Ferner werden in der Nähe der Flüsse liegende oder von diesen bewässerte Landstrecken für den Sultan reserviert und durch die Einwohner bewirtschaftet, eine Arbeit, die „Mik“ genannt wird. Eine andere, „Sellek“ genannt, betrifft ausschliesslich die Baumwollkultur und kommt dem Kamkolak, einem hohen Verwaltungsbeamten, zu gute, der dem Herkommen gemäss wohlbestandene Baumwollfelder für sich beansprucht, weil er für die Wattenpanzer seiner Reiter und Pferde, vgl. Seite. 285, Baumwolle in grösserer Menge braucht. In Baghirmi wird die Pflanze, die hier