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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
Entstehung
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530 Sechszehntes Kapitel. Die übrigen aussereuropaischen Länder.

zutreten. Den Jahresbedarf Nordsyriens an fremden Garnen veranschlagte das Handelsmuseum für 1896 auf etwa D/a Mill. Mk. Davon entfielen auf Rohgarne 7000 Ballen im Werte von etwa 1,3 Mill. Mk., auf farbige Game, ohne die türkischroten, 100 Ballen = 30000 Mk., auf Rotgarne ungefähr 2000 Ballen = 100000 Mk. und auf Näh- und Häkelgarne etwa 50000Mk.

Von Stoffen kamen in Betracht 1. rohe und gebleichte Sachen aus Manchester im Jahreswerte von annähernd 2 Mill. Mk.; 2. bedruckte Barchente, auch Baumwollflanelle genannt; diese lieferten bis 1893 Öster­reich und Deutschland, wurden aber dann von Italien (Novara) verdrängt; Jahresbedarf etwa 400000 Meter; 3. Jacquardstoffe, besonders aus Italien; 4. Kleiderstoffe für Herrenkonfektion, hauptsächlich aus Deutschland, neuer­dings auch aus Italien und der Schweiz; 5. Musseline aus England und der Schweiz; 6. Stoffhandschuhe, ausschliesslich aus Sachsen bezogen; 7. Jasmas, baumwollene bedruckte Schleier für die eingeborenen Frauen, auch zum Umwickeln der Fez verwendet, aus der Schweiz (Glarus). Der Jahresumsatz macht etwa 200000 Mk. aus, die Koffien (Kopftücher für Männer) inbegriffen, die zum kleineren Teile aus England kommen.

4. Arabien und Mesopotamien.

Über diese Länder fliessen die Quellen ausserordentlich spärlich; man muss sich daher mit einigen geschichtlichen und kommerziellen Notizen begnügen.

Nach Theophrastus wuchs auf der Insel Tylos, den jetzigen Bahrein­inseln, Baumwolle. Stoffe, aus der Tyloswolle hergestellt, wurden indischen Baumwollgeweben vorgezogen. Nach den Angaben von Theophrastus und Plinius muss als sicher angenommen werden, dass Baumwolle einst auch in Arabien vorkam. Der Periplus maris Erythraei aber erwähnt, dass aus einem an der arabischen Südküste gelegenen Orte, namens Omana, Baumwollstoffe nicht nur nach den andern Teilen Arabiens, sondern sogar nach Indien verschifft wurden. Vgl. Seite 15 f.

Was den Anbau der Pflanze in der Gegenwart anbelangt, so fand W. G. Palgrave in Kajeem Baumwolle von derselben Art, wie sie in Gudscherat und Cutch wächst; die erzeugte Menge war nicht gross, die Sorte aber gut. Burton aber berichtet, dass in gewissen Krankheitsfällen eine Abkochung aus Baumwollsamen angewendet wurde, vgl. Seite 139.

Der gegenwärtige Bedarf Arabiens und Mesopotamiens an Baum- wollwaren wird ausschliesslich durch Einfuhr gedeckt. In einem der letzten