Vorder- und Mittelasien.
523
2. Kleinasien (Levante).
Kleinasien war im Mittelalter und bis gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts eines der wichtigsten Baumwollgebiete. Nach Joh. Chr. Schedel kauften alle Nationen Europas diesen Faserstoff in Smyrna ein, am meisten die Franzosen — z. B. 1787/1789 über Marseille 53884 Zentner rohe Wolle und 4249 Zentner Garn —, demnächst die Holländer, Engländer, Italiener und Deutschen. Man schätzte die ganze Ernte in sämtlichen türkischen Ländern gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts auf 100000 Ballen. Die damalige levantinische Baumwolle, im Handel als Kurzwolle bezeichnet, weil sie wegen des kurzen Stapels zu feinen Garnen nicht geeignet war, wurde besonders um Kanaba, Magnesia, Akhissar, Bainder, Kirgagatsch u. s. w. gezogen und über Smyrna ausgeführt. Aber im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts ging der Anbau zurück. Zur Zeit des Baumwollhungers, vgl. Seite 174, suchte die Cotton supply Association die Sache wieder zu heben; sie sandte Agenten ins Land, um die Verhältnisse zu prüfen, und die türkische Regierung Hess Broschüren verteilen. Diese und andere Bemühungen blieben zwar nicht ganz ohne Erfolg, konnten aber doch keinen nachhaltigen Einfluss ausüben.
Zur Zeit kann man in der Levante, vgl. die Karte Fig. 190, zwei Hauptgebiete und mehrere nebensächliche Distrikte unterscheiden. Das eine liegt im Westen und begreift das Menderesthal mit Aidin, Seraiköi, Denislü und Demirdschik, das Gedisthal mit Manissa (Magnesia), Kassaba, Saruchanly und Kula, sowie das Bakyrthal mit Pergamon, Kyrkaghäd (Kyrkagatsch) und Akhissar. Das zweite Hauptgebiet liegt im Südosten in der Umgebung von Adana, Tarsus und Mersina. Auch an der ana- tolischen Bahn befindet sich eine in der neueren Zeit begründete Baum- wollkultur zu Geve und Akhissar, doch ist das Klima hier schon etwas zu rauh. In der Provinz Angora beteiligen sich daran Plätze wie Beybazar, Nallyhan, Mihalidjik, Ayash und Kaledjik. Im Gebiete des Kisil Irmak * treiben Tossia, Ineboli und Wesirköprü Anbau und Handel. Als vereinzelte Orte, wo man etwas Anbau findet, sind Iwrindi, Bosöjük (Söjüd), Bojabad, Duragan, Wesirköprü, Sis und Albistan zu nennen.
Man baut in Kleinasien G. herbaceum in ziemlich nachlässiger Weise; der Strauch erreicht etwa Meterhöhe. Die Fasern sind weiss, aber rauh und von sehr unregelmässigen Krümmungen. Die Eingeborenen unterscheiden zwischen „tschikrik“, entsamter, und „subutcha“, Samen-