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Zwölftes Kapitel. Die Vereinigten Staaten.
bereits im Anfang dieses Jahrhunderts den Baumwollbau mit Eifer und Erfolg getrieben und durchschnittlich damals 145 Pfd. auf dem Acre gewonnen. Etwa seit dem Jahre 1826 hatte man diesen Betrieb gänzlich aufgegeben. Als die Airline Eisenbahn erbaut worden und damit Kunstdünger leicht eingeführt werden konnte, fing man wieder an, in der Gebirgsregion Baumwolle zu bauen und benutzte dazu sowohl die Tafelländer wie die unteren Abhänge der Berge, und jetzt findet man Baumwollfelder in fast jedem Township,
2. Das Klima.
Die Baumwollstaude ist ein sehr empfindliches Gewächs, das nur dann sein Gedeihen findet und den gewünschten Ertrag liefert, wenn die klimatischen Bedingungen, die sie stellt, auf das genaueste erfüllt werden. Vor allem kann sie keinen Frost vertragen und braucht viel Sonnenschein und viel Wärme. Hohe Luftwärme und hohe Bodenwärme sind wesentliche Erfordernisse ihres Gedeihens; während der Wachstumsperiode darf die mittlere Luftwärme nicht erheblich unter 18° C. herabsinken. Ein heiterer Himmel bei Tag und reichlicher Taufall während der Nacht, viel Feuchtigkeit bei anhaltendem Sonnenschein, das ist das Klima, das der Staude am besten zusagt. Die Gunst des Klimas, allerdings in Verbindung mit einem sehr geeigneten Boden, bildet auch den wesentlichen Grund für das ausserordentliche Gedeihen, das die Pflanze z. B. in den Niederungen des Mississippi findet. Der vom Golf herkommende Südwind sowie der Riesenstrom selbst erzeugen die Feuchtigkeit, die die Stauden bei Tag badet, ohne die Einwirkung der Sonne zu beeinträchtigen; während der Nacht schlägt sie sich in Fülle als Tau nieder und erquickt in dieser Form die Blätter und Wurzeln. In der ersten Wachstumsperiode dürfen häufige und schnell vorübergehende Regenschauer auftreten, müssen aber sofort durch hellen, warmen Sonnenschein abgelöst werden, ein Wechsel, der bewirkt, dass das Feld dampft. Aber sobald die Blüten aufgebrochen sind, soll trocknes, warmes Wetter herrschen. Lange anhaltende Regen, namentlich bei kühler Temperatur, schaden in jeder Periode der Entwicklung, denn auf Kosten der Frucht tritt Verholzung ein. Vor der Blüte wirkt eine lange anhaltende Dürre ebenfalls nachteilig, denn dann stockt die Entwicklung der Stauden, die Reife erfolgt vorzeitig, und der Stapel bleibt unter dem normalen Masse zurück. Gegen die Dürre kann man mittels künstlicher Bewässerung angehen; gegen das Übermass von Regen aber giebt es kein Mittel, und dadurch wird häufig die Ernte mehr oder weniger beeinträchtigt. Es fragt sich nun, in wie weit die klimatischen Erfordernisse der Pflanze in der Union erfüllt werden.