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Neuntes Kapitel.
gilt in den Oromögebieten unbestritten als solche.“ Auch ganze Kleider, vor allem die hemdartige sudanische Tobe, kommen als Geld vor. Der Sultan von Harrar zahlte den umwohnenden Gallastämmen jährlich 6—70Ü Toben als Tribut.
An der westafrikanischen Küste haben selbst Europäer die einheimischen Stoffe vielfach als Tauschmittel und Wertmesser gebraucht, da sie viel billiger und beliebter waren als die europäischen Zeuge. Überhaupt zeigen auch hier die Eingeborenen die entschiedene Neigung, an den einmal bekannten Stoffen, über deren Wert sie im klaren sind, dauernd festzuhalten und ihnen damit eine der Haupteigenschaften des Geldes zu verleihen, den festen Kurswert. Die Mauren im nördlichen Scnegambien nehmen z. B. für den Gummi nur dunkelblauen indischen Kattun (pieces de Guinee) in Zahlung und wissen ihn durch den Geruch von allen Nachahmungen zu unterscheiden.
4. Einwirkung der Baumwollindustrie auf das Gesellschaftsleben.
So spielt die Baumwolle im Völkerleben als höchst vielseitiger und unentbehrlicher Gebrauchsartikel, als Gegenstand der Arbeit und des Erwerbs breiter Volksmassen, endlich als Beförderin von Handel und Verkehr eine hochbedeutsame, in gewisser Beziehung unersetzliche Rolle. Aber damit ist ihre Stellung im Volksleben noch nicht erschöpft, denn sie hat auch, allerdings mehr in mittelbarer Weise, auf die Erhöhung des geistigen Niveaus und auf die weitere Ausgestaltung der gesellschaftlichen Zustände einen nicht zu verkennenden Einfluss ausgeübt.
Wenn es richtig ist, dass jede neue Erfahrung und jede Erfindung von einiger Bedeutung dazu beizutragen vermag, die Menschen auf eine höhere Stufe zu heben, so hat auch die Baumwolle eine solche Wirkung zustande gebracht. Dies geschah schon durch die allmählige Ausbreitung ihres Anbaues, insofern dadurch nicht nur die Thätigkeit der betreffenden Völker, sondern auch ihr geistiger Gesichtskreis erweitert wurde. Um aber den Gegenstand besser auszunützen, musste man seinen Geist anstrengen und neue Mittel und Wege zu finden suchen; bei dem Anbau führte dies z. B. zum Studium der Bodenverhältnisse, der klimatischen Ereignisse, der pflanzlichen und tierischen Schädlinge, und die dabei gemachten Erfahrungen und Beobachtungen dienten zugleich zur Bereicherung der Naturwissenschaft, abgesehen von der Steigerung, die dadurch der landwirtschaftliche Betrieb selbst erfuhr. In der Regel erfolgt ein solcher Fortschritt durch die Verpflanzung eines Gegenstandes auf einen neuen Boden, wo er schon wegen seiner fremdartigen Erscheinung eine be-