Druckschrift 
Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
Entstehung
Seite
288
Einzelbild herunterladen
 

SfS*

288

Neuntes Kapitel.

Grossbritanniens für Jahr und Spindel geringer als der in den meisten andern Ländern der Erde. Als mittlere Leistungsfähigkeit einer Spindel muss man viel mehr: etwa 60 Pfund, annehmen, ln diesem Falle würde es etwa 125 Millionen Spindeln bedürfen, um eine Gewichtsmenge von 15 Millionen Ballen zu verspinnen, und diese Schätzung kommt in der That der Wirklichkeit nahe. Denn nach einer für 1900 aufgestellten Statistik gab es 105 Millionen Spindeln mit einem Jahresverbrauch von 13,4 Millionen Ballen.

Es giebt übrigens ansehnliche Gebiete, in denen noch die Hand­arbeit herrscht. Indien besitzt allein mindestens eine halbe Million Hand­webstühle und Japan verfügt sogar über eine Million solcher. Die Zahl der in der Baumwollverarbeitung beschäftigten Menschen ist also that- sächlich bedeutend grösser als sie vorher berechnet war, sie beträgt viel­leicht das Dreifache der angegebenen Summe.

Aber die Baumwolle stellt nicht nur durch ihre gewaltige Jahres­menge eine riesige Wertsumme dar und giebt nicht nur vielen Millionen Menschen Arbeit und Gelegenheit zu lohnendem Verdienst, sondern sie diente auch in dieser oder jener Form unter gewissen primitiven Völkern als Mittelswert beim Handel, wie das noch heute in weiten Gebieten des afrikanischen Sudans der Fall ist, wo sie das bare Geld vertritt. Derartiges Baumwollgeld steht in der Kulturgeschichte nicht vereinzelt da. Zu den ältesten Geldarten Chinas z. B. gehörten kleine Stücke Leinwand- und Seidenstoff von bestimmter Grösse, die allerdings beide später nicht mehr unter den Zahlungsmitteln aufgeführt werden. In Tibet gebraucht man heute noch Baumwollstoffe als Geld, und zwar sind am gangbarsten die von der chinesischen Zollverwaltung gestempelten, also gewissermassen mit einer offiziellen Anerkennung versehenen Zeugstücke. Im alten Japan erscheinen Kleiderstoffe neben Getreide als regelmässige Steuerzahlung, wie in Altmexiko, und Geschenke von Stoffen als Dichter­honorare werden ebenfalls erwähnt; die Frohnarbeiten wurden durch Ab­gaben von Tuch und Reis abgelöst.

Abgesehen von Tibet ist der afrikanische Sudan in seiner ganzen Ausdehnung von Westen nach Osten mit Einschluss gewisser Teile Senegambiens und der Somalihalbinsel das einzige Gebiet, wo Baumwoll­stoffe in Form von schmalen, langen Streifen die Stelle des baren

3. Baumwollgeld.