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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
Entstehung
Seite
258
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258 Achtes Kapitel.

hervorgegangen aus kleinen Anfängen und weiter entwickelt im Laufe der Jahrtausende, hat er füglich die ganze Erde umspannt, und thatsächlich giebt es heute kein Land oder kein grösseres Gebiet, das der Baumwoll- fabrikate nicht bedürfte und in dem dieser Handel fehlte. Er ist also im gegenständlichen Sinne ein wirklicher Welthandel. Zugleich hat er ein höheres Alter als die Ausbreitung des Anbaus und der Handel mit Roh­stoff, denn erst als man die Waren daraus im Auslande kennen gelernt hatte, ging man dazu über, den Rohstoff aus den Produktionsgebieten zu beziehen oder ihn durch eigenen Anbau zu gewinnen.

1. Geschichtliche Entwicklung.

Wenn hier die Darstellung des in Rede stehenden Geschäftszweiges verhältnismässig kurz ausfällt, so hat das seinen Grund darin, dass schon in den früheren Abschnitten vielfach darauf Bezug genommen werden musste, da eben die geschichtlichen Werke wie die heutigen Statistiken sich mehr mit dem Handel als mit den andern beteiligten Thätigkeiten befassen, und die darin niedergelegten Thatsachen vielfach den einzigen Anhaltspunkt bilden, um Rückschlüsse auf jene zu machen.

Das älteste Ausfuhrland für baumwollene Stoffe verschiedener Art ist natürlich Indien, dessen Handel jedenfalls zur Zeit des Alexander­zuges bis nach Vorderasien reichte. Ausdrücklich aber wird berichtet, dass im ersten Jahrhundert nach Christo eine beträchtliche Ausfuhr an baumwollenen Geweben aus Indien stattfand, besonders aus dem Indus­gebiete über Barbarikon und Barygraza (das heutige Broach), aber auch aus dem Gangesgebiete. Der Periphus maris Erythraei, der diese Angabe macht, meldet auch die Einfuhr in Arabien, namentlich im Hafen Moscha und auf der Insel Sokotra. Dass indische Fabrikate nach Ägypten, Griechenland und Italien gekommen sind, wird mehrfach bestätigt.

Abei der indische Handel erstreckte sich nicht nur nach Westen, sondern auch nach Osten und reichte hier bis nach China, wo gelegentlich in sehr früher Zeit von dem Vorhandensein baumwollener Gegenstände in den Quellenschriften Erwähnung gethan wird.

Im Mittelalter breitete sich der Handel mit Baumwollfabrikaten namentlich in Europa weiter aus. Aus arabischen Quellen erfahren wir, dass das heutige Südrussland solche Gegenstände von den Chazaren und aus der Stadt Qümis bezog, ln England kommen grobe baumwollene Tücher und Barchente (sog. Fustians) schon während des vierzehnten