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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
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Handel mit Rohbaumwolle. 173

stand also damals etwas höher als sein südlicher Nachbar. Ihren Haupt­bedarf an Rohstoff erhielten sie von den Vereinigten Staaten und Ost­indien, doch wurde auch viel indirekt von den englischen Märkten bezogen.

Die Einfuhr Triests, die in erster Linie aus ägyptischem Erzeugnis bestand, ging in dem Zeiträume 18501857 von 119000 auf 77000 Ballen zurück. Nächst der ägyptischen Baumwolle folgte die nordamerikanische, die wie jene eine rückläufige Bewegung zeigte. Die ostindische dagegen nahm beträchtlich zu. Brasilianisches Gewächs erschien nur gelegentlich auf dem Triestiner Markte, westindisches gar nicht.

Die italienischen Häfen wie Genua, Venedig, Livorno und Ancona steigerten ihre Baumwolleinfuhr in dem gleichen Zeiträume fast stetig von 38000 auf 108000 Ballen, die in erster Linie aus den Vereinigten Staaten, in zweiter aus Ostindien kamen; Ägypten sandte nur wenig, Brasilien und Westindien fast gar nichts.

Spaniens Bezüge, zwischen 82000 und 147000 Ballen wechselnd, hatten eine im allgemeinen abnehmende Tendenz; auch hier stand die Union in erster Reihe; ihr folgte Brasilien mit ansehnlichen Beträgen; Westindien und Ägypten erschienen zuweilen, Ostindien gar nicht.

Die Schweiz endlich erhielt ihren Rohstoff über Frankreich und Deutschland, wohl auch von Triest, Genua und Holland. Frankreich lieferte im allgemeinen vier Fünftel des Bedarfs, die 1833 6 Millionen, 1854 bereits 15,8 Millionen Pfund ausmachten, über Bern, Solothurn, Basel und den Aargau in die Eidgenossenschaft, Deutschland etwa ein Fünftel über Schaffhausen und St. Gallen. Der Rohstoff wurde damals durch Transitzölle wesentlich verteuert.

4. Der amerikanische Bürgerkrieg.

Die eben geschilderte erfreuliche Entwicklung des Baumwollhandels erlitt nun eine jähe Unterbrechung durch den unheilvollen nordameri­kanischen Bürgerkrieg, der seine Wirkungen auf fast alle bisher beteiligten Länder erstreckte, wenn diese dadurch auch in verschiedenster Weise be­einflusst wurden. Von den Ausfuhrgebieten wurde natürlich die Union ausserordentlich schwer getroffen, denn der Export, der noch 1860/1861 3127568 Ballen betragen hatte, sank in jähem Sturze 1862/1863 auf 10898 Ballen, und dadurch wurden zunächst alle diejenigen Länder in Mitleidenschaft gezogen, die vorherrschend auf nordamerikanisches Gewächs