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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
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Handel mit Rohbaumwolle.

Watte zu denken haben. In Conto hatten die Venetianer für den Transport besondere Bedingungen. In Köln wurdeGenetzsche und Fenetzsche boymwullen unterschieden. Nach Geering nahm diese nach Genua und Venedig benannte Ware ausschliesslich den Seeweg über Antwerpen.

In den Niederlanden war Brügge, das seit dem dreizehnten Jahr­hundert neben Venedig Mittelpunkt des damaligen Welthandels war, auch ein Hauptstapelplatz für Baumwolle. Faktoreien von Kaufleuten aus siebzehn Königreichen waren hier zu finden; zwanzig fremde Konsuln hatten ihre Wohnungen innerhalb seiner Mauern, und Bewohner ferner Gegenden, die kaum dem Namen nach bekannt waren, begaben sich jährlich hierher. Brügge, das Haupt derflandrischen Hansa in London, hatte fast den ganzen englischen Handel in Händen und war zugleich Hauptniederlage für die Städte des deutschen Hansabundes. Lombarden und Venetianer brachten hierher die Erzeugnisse Indiens und Italiens. Aber diese grossartige Blüte des Brügger Handels begann schon gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts zu sinken, und der vollständige Ver­fall, eingeleitet durch die Versandung der Küste und das Aufblühen Antwerpens, wurde durch die Kämpfe mit Maximilian und das Zerwürfnis mit der Hansa veranlasst, die, wie auch die Augsburger Fugger, ihre Faktoreien nach Antwerpen verlegte. Die religiösen Wirren in der zweiten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts vernichteten vollends den Wohlstand der Stadt.

2. Die Neuzeit bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts.

Auch bei Beginn und im Verlauf der Neuzeit blieb der moham­medanische Orient ein Hauptbezugsgebiet für Rohbaumwolle, aber die Entdeckung Amerikas und die Auffindung des Seewegs nach Ostindien und von da nach Ostasien brachten doch manche Änderungen hervor; so erschien z. B. brasilianische Baumwolle um 1570 in Süddeutschland. Die vom Handel beförderten Mengen waren in dieser Epoche verhältnis­mässig gering. Im Jahre 1697 betrug z. B. die Einfuhr nach England nur 1976379 Pfund oder rund 2000 jetzige amerikanische Ballen und blieb bis zum Jahre 1749 in annähernd gleichem Niveau; seit dem Jahre 1751 trat ein allmähliches Wachstum ein; in diesem Jahre waren es 2 976610 Pfund, im Jahresdurchschnitt 1771 bis 1775 4 764589 Pfund, gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts aber bereits 37,35 Millionen Pfund oder 72700 jetzige amerikanische Ballen.